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II. Turn- und Wanderlieder
nicht haftet am einsamen Strand, dieStürme sie brausen mit Macht durchdas Land.
3. Mit eilenden Wolken der Vogeldort zieht, und singt in der Ferne einheimathlich Lied: so treibt es den Bur-schen durch Wälder und Feld, zu glei-chen'der Mutter, der wandernden Welt.
4. Da grüßen ihn Vogel, bekanntüber'm Meer, sie zogen von Fluren derHeimath hierher; da duften die Blu-men vertraulich um ihn, sie treiben vomLande die Lüfte dahin.
5. Die Vogel, sie kennen sein väter-lich Haus, die Blumen einst pflanzt'er der Liebe zum Strauß; und Liebe,die folgt ihm, die geht ihm zur Hand;so wird ihm zur Heimath das fcrnesteLand!
JustinuS Kerner.
«8. Abschiedsabend.
1. Traurig sehen wir uns an, achtennicht des Weines. Jeder schlägt dieAugen nieder und der hohen Freuden-lieder schallet heute keines.
2. Nun so soll ein Trauerlied dir,o Freund, erschallen! Trinket jeder ihmzur Ehre, ach! und laßt der TrennungZähre in den Becher fallen!
3. Zieh' in fernes Land und denk'unsers Bunds hienieden! Dort am Ster-nenhimmel, Bester! knüpft die Ewig-keit ihn fester! Leb' indeß in Frieden!
4. Edel wärest du und treu, frommund deutsches Herzens! Bleib' es, Lie-ber ! Edlen Seelen kann's an Freudennirgends fehlen! und vergiß des Schmer-zens!
5. Heilig war uns mancher Tag,
mancher Abend heilig ; Freundschaft gabuns alles Gutes, Freundschaft macht'uns hohes Muthes! ach! und schwandso eilig! !
6. Nun noch Eins zu guter Letzt,unserm Freund zu Ehren! Heute sindwir noch vereinet! Morgen, wenn dieStund' erscheinet, fließen unsre Zähren!
Miller aus Mm.
SS. Abschiedslied.
1. Ihr lieben Lerchen, guten Tag, wieweit ist's in die Fern! Und über mei-ner Liebsten Dach da steht der Mor-genstern.
2. Leb' wohl, du Sonne auf der Au,du liebes grünes Feld! Ach hinter jenenBergen blau, wie weit ist nur die Welt!
3. So viele Tropfen in dem Fluß,so viele Blätter grün, so viele Schritt'ich wandern muß, und hoch die Wol-ken ziehn.
4. Ihr lieben Lerchen, guten Tag,Berg auf, Berg ab in's Thal! Undwird die treue Liebste wach, grüßt sieviel tausend Mal!
Albert Graf Schlippenbach.
«SS. Abschied.
(Weise: So viel Stern' am Himmel stehn.)
1. Morgen müssen wir verreisen, undes muß geschieden sein. Traurig ziehnwir unsere Straße, lebe wohl, meinSchätzelein!
2. Lauter Augen, feucht von Thrä-nen, lauter Herzen, voll von Gram,keiner kann es sich verhehlen, daß erschweren Abschied nahm.
3. Kommen wir zu jenem Berge,schauen wir zurück in's Thal, schaununs um nach allen Seiten, sehn dieStadt zum letzten Mal.
4. Wenn der Winter ist vorüber undder Frühling zieht in's Feld, will ichwerden wie ein Vöglein, fliegen durchdie ganze Welt.
5. Dahin fliegen will ich wieder, wo'smir lieb und heimisch war. Schätzlein!muß ich heut' auch wandern, kehr' ichheim doch über's Jahr.