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Liederbuch des deutschen Volkes
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Kaiser Barbarossa.

Kaiser Rudolf. 305

«48. Barbarossa.

1. Der alte Barbarossa, der KaiserFriederich, im unterird'schen Schlossehält er verzaubert sich.

2. Er ist niemals gestorben, er lebtdarin noch jetzt, er hat im Schloß ver-borgen zum Schlaf sich hingesetzt.

3. Er hat hinabgenommen des Rei-ches Herrlichkeit, und wird einst wie-derkommen mit ihr, ^u seiner Zeit.

4. Der Stuhl ist elfenbeinern, dar-auf der Kaiser sitzt, der Tisch ist mar-rnelsteinern, woraussein Haupt er stützt.

5. Sein Bart ist nicht von Flachse,er ist von Feuersgluth, ist durch denLisch gewachsen, worauf sein Kinnausruht.

6. Er nickt als wie im Traume, seinAug' halb offen zwinkt; und je nachlangem Raume er einem Knaben winkt.

7. Er spricht im Schlaf zum Kna-ben :Geh' hin vor's Schloß, o Zwerg,und sieh', ob noch die Raben Herfliegenum den Berg!"

8.Und wenn die alten Raben nochfliegen immerdar, so muß ich auch nochschlafen, verzaubert, hundert Jahr'.

Friedrich Rückcrt.

»4». König Enzio.*)

1. Mit meinem Vater, dem Kaiser,gern säß' ich im Kriegsgezelt, zu Häup-ten uns Lorbeerreißer, zu Füßen unsdie Welt.

2. Mit meiner Frauen im Lenze gernsaß' ich am Eichenftamm, zu Häuptenuns Blumenkränze, zu Füßen uns einLamm.

3. Die Beiden, weh! zerstäubten,der König ist allein. Legt ihm ein'nStein zu Häupten, zu Füßen ihm einenStein!

*) Sohn Kaiser Friedrichs !l., starb imKerker zu Bologna.

«L«. Richard Löwenherz.

'I. Wer ist der Ritter hochgeehrt^ derhin gen Osten zieht? wer ist's, vordessen Flammenschwert der Muselmannentflieht? Wer ist's, der dort im Sie-gesglanz auf Ptolemais steht? wer,dessen Stirn der Lorbeerkranz bei As-kalon umweht? Du stolzes England,freue dich, dein Richard hoch und rit-terlich, dein König, der tapfre Lö-wenherz!

2. Wer ist es, dessen Tapferkeit Je-rusalem uns gab? Wer bahnte kühnder Christenheit den Weg zum heil'genGrab? Wer ist des Kreuzes erster Held,den selbst der Heide preist? Wer ist's,den die erstaunte Welt den besten Rit-ter heißt? Du stolzes England rc.

3. Ach, lange war das Vaterlandin blut'gen Haß getheilt! Er schlangder Eintracht süßes Band, das alleWunden heilt. Und seht ihr ein be-glücktes Paar, das Freudethränen weint,so ahnet ihr wohl, wer es war, dertreue Lieb' vereint. Du glücklich Eng-land, freue dich, dein Richard hold undminniglich, dein König, der edle Lö-wenherz !

Wohlbrück. Aus dem Templer und derJüdin von Marschner.

«L». Kaiser Rudolf.

(Weise: Ob Tausend uns zur Rechten.)

1. Dich, Arm des Reiches, preis'ich, dich, heil'ger Ordnung Gründer;du, Reichsarm, trägst den Armen, zer-schlägst den reichen Sünder!

2. Euch, neun und zwanzig HerrenEndlichen Gelichters, euch, neun undzwanzig Räuber, zerfraß das Schwertdes Richters!

3. Du trümmerst Burgen, Nester,drein hohe Würger lauern: so schlugdein Herz, dein Erze für Bürger undfür Bauern!

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