Schilt.
Der treue Knabe. 315
ret das redlichste Herz, und Buben,sie treiben mit Helden Scherz.
11. Da schreiet ein schnöder Fran-zosenmund: ,,Man soll ihn begrabenwie einen Hund, wie einen Schelm,der an Galgen und Rad schon füt-terte Krähen und Raben satt!"
12. So trugen sie ihn ohne Sangund Klang, ohne Pfeisenspiel, ohneTrommelklang, ohne Kanonenmusikund Musketengruß, womit man Sol-daten begraben muß.
13. Sie schnitten den Kopf von demRumpfe ihm ab, und legten den Leibin ein schlechtes Grab; da schläft ernun bis an den jüngsten Tag, woGott ihn zu Freuden erwecken mag.
14. Da schläft nun der fromme, dertapfre Held, o weh! ihm ward keinStein zum Gedächtniß gestellt; o weh!doch hat er gleich keinen Ehrenstein,sein Name wird nimmer vergessen sein.Zuchhe rc.
15. Denn zäumet ein Reiter seinschnelles Pferd, juchhe! und schwin-get ein Reiter fein blankes Schwert,juchhe! so denkt er und betet: HerrSchill, Herr Schill, ich an den Fran-zosen euch rächen will. Juchhe rc.
Arndt.
SVL. Schills Geisterstimme.
1. Klaget nicht, daß ich gefallen!lasset mich hinüber ziehn zu der VäterWolkenhallen, wo die ew'gen Freu-den blühn. Nur der Freiheit galt meinStreben: in der Freiheit leb' ich nun,und vollendet ist mein Leben, und ichwag' es auszuruhn.
2. Süße Lehnspflicht, Mannestreue,alter Zeiten sichres Licht, tauscht' ichnimmer um das Neue, um die wel-sche Lehre nicht. Aber jenen Dammzerbrochen hat der Feind, der uns be-
dräut, und ein kühnes Wort gespro-chen hat die riesenhafte Zeit.
3. Und im Herzen hat's geklungen,in den Herzen lebt das Recht: „Stahl,von Männerfaust geschwungen, retteteinzig dieß Geschlecht!" Haltet darumfest am Hasse, kämpfe redlich, deut-sches Blut! „Für die Freiheit eineGasse!" dacht' ein Held im Todes-muth.
4. Freudig bin auch ich gefallen,selig schauend ein Gesicht, von denThürmen hört' ich's schallen, auf denBergen schien ein Licht. Tag des Vol-kes! du wirst tagen, den ich obenfeiern will, und mein freies Volk wirdsagen: „ruh' in Frieden, treuer Schill!"
Mcir v. Schenkendorf. 1809.
NVT. Der treue Knabe. L8ws.
1. Zu Wesel auf der Schanz, dastand ein junger Knabe: Lebt wohl,lebt wohl, ihr Lieben, die ihr daheimgeblieben! mich scheid't von aller Nothder bittre Tod.
2. Mit meinem Führer zog ich ausfür Deutschlands Ehre, doch es warGottes Will, erschlagen liegt der Schill,bei Stralsund auf dem Wall. O har-ter Fall!
3. Wer's mit dem Tapfern hielt,der war da bald gefangen, wie Räu-ber und wie Mörder geworfen in denKerker, das Leben ward ihm gar ge-sprochen ab.
4. Verblutet liegen da schon meineKameraden, es ist schon frei vonSchmerz ihr tief durchbohrtes Herz.Mir nur ward Gnad' gegeben, fürmein Leben!
5. Ich will, Napoleon, von dirgar kein Erbarmen. Mit meinen Brü-dern allen soll gleiches Loos mir fallen,schieß zu, du Schelm-Franzos, meinHerz ist bloß!