322
X. Gedächtniß-, Helden- und Ehrenlieder.
er solchen Strauß, daß vielen tausendWelschen der Athem ging aus, vielTausende liefen gar hasigen Lauf, zehn-tausend entschliefen, die nimmer wa-chen auf.
6. Am Wasser von der Katzbach da hater's auch bewährt, da hat er euch,Franzosen, das Schwimmen gelehrt;fahrt wohl, ihr Franzosen, zur Ost-see hinab, und nehmt, Ohnehosen, denWalisisch zum Grab!
7. Bei Wartburg an der Elbe, wiefuhr er hindurch ! da schirmte die Fran-zosen nicht Schanze, nicht Burg. Damußten sie springen, wie Hasen über'sFeld, und hinterdrein ließ klingen seinHussah der Held!
8. Bei Leipzig aus dem Plane, oschöne Ehrenschlacht! da brach er denFranzosen in Trümmer Glück undMacht; da liegen sie so sicher nachblutigem Fall, da ward der alte Blü-cher ein Feldmareschall!
9. Drum schmettert, ihr Trompe-ten, Husaren heraus! Du reite, HerrFeldmarschall! wie Sturmwind imSaus, dem Siege entgegen zum Rheinund über'n Rhein, du alter deutscherDegen! in Frankreich hinein!
Arndt. 1813.
»8«. Die nächtliche Heerschau.
1. Nachts um die zwölfte Stundeverläßt der Tambour sein Grab, machtmit der Trommel die Runde, gehtemsig auf und ab.
2. Mit seinen entfleischten Armenrührt er die Schlägel zugleich, schlägtmanchen guten Wirbel, Reveill' undZapfenstreich.
3. Die Trommel klinget seltsam,hat gar einen starken Ton; die altentodten Soldaten erwachen im Grabdavon.
4. Und die im tiefen Norden er-starrt in Schnee und Eis, und diein Welschland liegen, wo ihnen dieErde zu heiß;
5. Und die der Nilschlamm decketund der arabische Sand, die steigenaus ihren Gräbern, sie nehmen's Ge-wehr zur Hand. —
6. Und um die zwölfte Stundeverläßt der Trompeter sein Grab, undschmettert in die Trompete, und reitetaus und ab.
7. Da kommen auf lustigen Pfer-den die todten Reiter herbei, die blu-tigen alten Schwadronen in Waffenmancherlei.
8. Es grinsen die weißen Schädelwohl unter dem Helm hervor, es hal-ten die Knochenhände die langenSchwerter empor. —
9. Und um die zwölfte Stunde ver-läßt der Feldherr sein Grab, kommtlangsam hergcritten, umgeben von sei-nem Stab.
10. Er trägt ein kleines Hütchen,er trägt ein einfach Kleid, und einenkleinen Degen trägt er an seiner Seit'.
I I. Der Mond mit gelbem Lichteerhellt den weiten Plan: der Mannim kleinen Hütchen sieht sich die Trup-pen an.
12. Die Reihen präsentiren undschultern das Gewehr, dann zieht mitklingendem Spiele vorüber das ganzeHeer.
13. Die Marschäll' und Generaleschließen um ihn einen Kreis: der Feld-herr sagt dem Nächsten in's Ohr einWörtlein leis.
14. Das Wort geht in die Runde,klingt wieder fern und nah: „Frank-reich" ist die Parole, die Losung:„Sankt Helena!"
15. Dieß ist die große Parade im