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Liederbuch des deutschen Volkes
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XU. Geistliche Lieder.

schneiden, wir müssen's nur leiden.Hüte dich, schön's Blümelein!

2. Was heut noch grün und frischdasteht, wird morgen schon hinwegge-mäht: die edlen Narcissen, die Zierdender Wiesen, die schön' Hyazinthen,die türkischen Binden. Hüte dich, schön'sBlümelein!

3. Viel hunderttausend ungezählt,was nur unter die Sichel fällt, ihrRosen, ihr Listen, euch wird er aus-tilgen, auch die Kaiserkronen wird ernicht verschonen. Hüte dich, schön'sBlümelein!

4. Das Himmelfarbe Ehrenpreiß, dieTulipanen gelb und weiß, die silbernenGlocken, die seidenen Flocken, sinktalles zur Erden, was wird draus wer-den? Hüte dich, schön's Blümelein!

5. Ihr hübsch' Lavendel, Rosma-rein, ihr vielfarbige Röselein, ihr stolzeSchwertlisten, ihr krause Bofisten, ihrzarte Violen, man wird euch bald ho-len. Hüte dich, schön's Blümelein!

6. Trotz ! Tod, komm her, ich fürcht'dich nit! Trotz! eil' daher in einemSchritt! Werd' ich nur verletzet, sowerd' ich versetzet in den himmlischenGarten, auf den wir alle warten. Freuedich, schön's Blümelein!

Als kcithol. Kirchenlied aus der KnabenWundcrhorn, componirt von Luise Rei-chardt und von Mendelssohn-

LLL4 Abschied.

(Weise: Jesus, meine Zuversicht.)

1. Geht nun hin und grabt meinGrab, denn ich bin des Wandernsmüde, von der Erde scheid' ich ab,denn mir ruft des Himmels Friede,denn mir ruft die süße Ruh von denEngeln droben zu.

2. Geht nun hin und grabt meinGrab. meinen Laus hab' ich vollendet,

lege nun den Wanderstab hin, wo allesJrd'sche endet; lege selbst mich nunhinein in das Bette sonder Pein.

3. Was soll ich hienieden noch indem dunkeln Thale machen? Denn wiemächtig, stolz und hoch wir auch stel-len unsre Sachen, muß es doch wieSand zergehn, wann die Winde drü-ber wehn.

4. Darum, Erde, fahre wohl, laßmich nun in Frieden scheiden! deineHoffnung ach! ist hohl, deine Freudenselber Leiden, deine SchönheitUnbeftand,eitel Wahn und Trug und Tand.

5. Darum letzte gute Nacht, Sonn'und Mond und liebe Sterne, fahretwohl mit eurer Pracht! denn ich reis'in weite Ferne, reise hin zu jenemGlanz, worin ihr verschwindet ganz.

6. Ihr, die nun in Trauren geht,fahret wohl, ihr lieben Freunde: wasvon oben niederweht, tröstet ja desHerrn Gemeinde; weint nicht ob demeitlen Schein, droben nur kann ewigsein.

7. Weinet nicht, daß nun ich willvon der Welt den Abschied nehmen,daß ich aus dem Irrthum will, ausdem Schatten, aus den Schemen, ausdem Eitlen, aus dem Nichts hin in'sLand des ew'gen Lichts.

8. Weinet nicht, mein süßes Heil,meinen Heiland hab' ich funden, undich habe auch mein Theil in den war-men Herzenswunden, woraus einst seinheil'ges Blut floß der ganzen Weltzu gut.

9. Weint nicht! mein Erlöser lebt!Hoch vom finstern Erdenstaube hellempor die Hoffnung schwebt, und derHimmelsheld, der Glaube, und dieew'ge Liebe spricht: Kind des Vaters,zittre nicht!

Arndt.