Buch 
Jürg Jenatsch : Eine Bündnergeschichte / von Conrad Ferdinand Meyer
Entstehung
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Jürg Jenatsch ergriff den Becher und suchte mit denAugen Lucretia. Sie hatte dem Vorgänge mit brennenderAufmerksamkeit gefolgt. Jetzt machte sie sich von der Ma-gisterin los und stellte sich ernsthaft zu der Gruppe. Jürgkostete den Wein und reichte ihn mit dem Spruche:AufDein Wohl, Lucretia, und auf das Deines Vaters!" demschweigenden Kinde, das langsam von dem Tränke schlürfte,als beginge es eine feierliche Handlung. Dann gab es denBecher seinem Vater und dieser leerte ihn aus Verdrußmit einem Zuge.

Mag es denn sein, Du thörichter Junge!" sagtePlanta,aber jetzt mach' daß Du fort kommst. Auch wirwerden bald aufbrechen."

Jenatsch schied und Lucretia wurde von der Magisterinzu den Stachelbeersträuchern in den kleinen Hausgartengeführt, um sich, wie die kinderfreundliche Frau sagte, ihrenNachtisch selbst zu holen. Während die Herren, diesmalin italienischer Sprache sich unterhaltend, noch einmal zumBecher griffen, setzte sich Waser still in eine Fensternischemit einem Ordis pietus, in den er angelegentlich vertieftschien. Der Schlaue war des Italienischen nicht unkundig,er hatte es mit Jenatsch halb spielend getrieben und ließ,mit scharfem Ohre lauschend, sich kein Wort des inter-essanten Gespräches entgehen.

Ich werde dem Jungen den Kinderbecher zehnfachersetzen," begann Planta.Kein übler Bursche, wenn ernicht so hosfärtigen und verschlossenen Gemüthes wäre.Hochmuth kleidet schlecht, wo das Brot im Hause mangelt.Sein Vater, der Pfarrer von Scharans, ist ein grund-

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