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Semmler nippte bedächtig seinen Wein und schwieg.Er schien den Widerwillen des Scharanserpfarrers gegendie seinem Sohne geöffnete Laufbahn nicht zu mißbilligen.
„Ein Weltkrieg steht bevor," fuhr Planta leidenschaft-licher fort, „und wer weiß, wie weit es ein so verwegenesBlut bringen könnte! Tollkühn ist der Bursche über allesMaß. Da muß ich Euch doch etwas erzählen, Herr Ma-gister! Im Sommer vor etlichen Jahren — der Jungewar noch zu Hause — trieb er sich täglich mit meinemBruderssohne Rudolf und mit Lucretia auf dem Riedbergherum. Da kommt einmal Lucretia, als ich durch denGarten gehe, im Sturm mit freudeblitzenden Augen aufmich zugelaufen. „Sieh, sieh, Vater!" ruft sie athemlosund deutet in die Höhe zu den Schwalbennestern meinesSchloßthurmes. Was erblick' ich dort, Herr Magister!Rathet einmal . . . Den Jürg, der rittlings auf dem äußer-sten Ende eines weit aus der Dachluke ragenden und sichauf und nieder wiegenden Brettes fitzt. Und der Schlingelschwingt noch den Filz und begrüßt uns mit Jubelgeschrei!Der Andere mochte drinnen auf dem sicheren Ende derimprovisirten Schaukel hocken, und da Rudolf — ich sag'es ungern — ein tückischer Junge ist, graute mir vor demWagstück. Ich erhob drohend die Hand und eilte hinauf.Als ich ankam, war Alles wieder an Ort und Stelle. Ichfaßte Jürg am Kragen, ihm seine Frechheit vorhaltend; erantwortete aber ruhig, Rudolf hätte gemeint, er würde sichdessen nicht getrauen und das hätte er nicht dürfen aufsich fitzen lassen."
Semmler, dessen Hände bei dieser Geschichte ängstlich