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Jürg Jenatsch : Eine Bündnergeschichte / von Conrad Ferdinand Meyer
Entstehung
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sichtlich bei dieser Erinnerung unbehaglich zu Muthe ward,und blickte starr vor sich hin in die Dämmerung.

Erstaunt über diese seltsame Aufrichtigkeit schwieg derAndere eine Weile.Er ist aus der Folter mit durch-gebissener Zunge gestorben ..." sagte er endlich vorwurfs-voll.

Jenatsch antwortete in kurzen abgerissenen Sätzen:Ich wollte ihn retten ... Wie konnt' ich wissen, daß derSchwächling die ersten Foltergrade nicht überstehen würde....Er hatte persönliche Feinde. Die Aufregung gegen dierömischen Pfaffen wollte ihr Opfer haben. Unsere katho-lischen Unterthanen hier im Veltlin mußten eingeschüchtertwerden. Es kam, wie geschrieben steht: Besser ist's, daßEiner umkomme, als daß das ganze Volk verderbe."

Wie um die trübe Stimmung abzuschütteln, erhob sichnun Jenatsch, den Freund aus dem dunkelnden Garten-raume ins Haus zu führen. Ueber der Mauer sah manden schlanken Kirchthurm vom letzten Abendgold sich ab-heben.

Der Unglückliche hat übrigens hier noch zahlreicheAnhänger," sagte er, und dann aus die Kirche weisend:dort las er seine erste Messe vor dreißig Jahren."

Im Hauptgemach, das nach dem Flur offen stand,brannte eine Lampe. Als die Beiden das Haus betraten,sahen sie die junge Frau an der Vorderthür bei einerFreundin stehen, die sie herausgerufen zu haben schien undihr mit ängstlichen Geberden etwas zuflüsterte. Hinter denFrauen liefen in der dämmernden Dorfgasse Leute vorüberund man vernahm ein wirres Getön von Stimmen, aus