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Kirch. Hist. Alt- Test. I. per. !.<7Zp. Von den Lehrern.
fahren wolte, ob er im Guten beständig bleiben, oderzum Bösen abweichen Lverde.
Was die übrige Religion des ersten Menschen imParadies betrifft, soll unten an seinem Orte gemeldetwerden. Indessen , da der Mensch im Paradies sol-cher gestalt der vortrefflichsten Glückseeligkeit genoß,und sich unter andern mit Benennung der Thiere, welcheGOtt derHErr sämtlich zu ihm kommen ließ, lliuerciretc, sahe es der gütigste Schöpffer vor gut an, ihmeine Gesellin und Gehulffin zuzuordnen. Er ließ alsoden Menschen in einen Neffen, übernatürlichen Schlafffallen, nahm ihm eine Ribben aus der Seiten, undbauete daraus ein Weib, welches ihm folgends mitbeygefügtem göttlichen Seegen von Fruchtbarkeit undVermehrung des menschlichen Geschlechts zugeselletwurde. »)
Der Neid des Satans aber, welcher bereits vorherseinen Himmlischen Stand verlassen, und sich in dieBoßheit und Finsterniß gestürtzet hatte, verrückte demMenschen gar bald seine so wohl befestigte Glückscelig-keit. Denn da die Schlange, oder vielleicht ein Dra-che, als eine geflügelte und mit Füssen versehene Schlan-ge, damahls ein gar artiges und geschicktes Thierwar, und sich sonder Zweifel zu nächst um den Men-schen aufzuhalten pflegte, nahm der Teufel Gelegen-heit sich in dieselbe zu schleichen, und solcher gestalt eingefährliches Gespräche mit dem Weibe anzufangen, g)
Nun mochte diese nach ihrer anerschaffenen Weißbeitzwar wohl erkennen, daß es mit der Schlangen nichtrichtig zugienge, und daß ein Geist darinnen steckenmüsse, r) welcher die vernünfftige Rede formiretc:Allein, da sie doch nicht allwissend war, so konte es garwohl seyn, daß sie nicht wüste, ob es ein guter oderböser Geist wäre, von welchem Unterscheide sie viel-leicht noch gar nicht in5»rmiret seyn mochte, sondernnach ihrer aufrichtigen Einfalt kein Mißtrauen in die-se, obschon ungewöhnliche Begebenheit setzete,und alsounvermuthet durch die Listigkeit des Satans, der sichohne Zweifel als einen Engel des Lichts anstellete, ver-rücket wurde. ;)
Denn dieser höllische Feind grieff erstlich den Ver-stand des Weibes durch die zweifelhaffte Frage an: In,folre GGrr gesägt haben, ihr solr nicht essen vonallerley Daumen im Gareen? k) Seine Meynungliess dahin aus: GOtt, der vollkommen gut und lieb-reich wäre,köntc ja nimmermehr so neidisch seyn, daßer den Menschen die Geniessung von dem Baume derEckänntnis Gutes und Böses würde verbothen haben.Indem aber das Weib von dem Gebothe fest gnug vcr-sichert war, so muste sich die Schlange mit einer um-ständlichen Nachricht davon abweisen lassen, u)
Die Schlange wandte also ihre höchste Verschlagen-heit an, zu ihrem Zwecke zu gelangen, und nachdem fie
>) 6 en. II, l 8 « üeqy. I, 28« Lvnf. Ki^IV 8 in oecon. V.^»p. 166. p) IbiS. c. III, r.teq-i. 9 ) Hpoc.XII, 9 . r)b.KVVVLV 8 in ». 8 . V«. 1 >k. ker.l. p. 92 . ,) 2 -Cor.XI,
3« Lont. ^UöX08 V 8 Se kgridilo c. l 2 . t) 6 en. III, l.Oonf. IO. kXI8Ltj^1VHIV8 in.liillerrrr, Se tr^uÄione lerprnti, snri^ui, cxcrk in kdekuro ciu> Idevlog.x. 57 . u) L,n.m, 2.Z.
sonder Zweifel viel Schmeicheleyen und 8mcemlioneneinfliessen lassen , so druckte sie mit den Seelen-verderb-lichen Pfeilen loß, und gab dem Weibe an die Hand,daß ein besonderes Geheimnis unter dem Verbotheverborgen wäre. Der Baum Habe nemlich vor allenandern Bäumen die Krafft an sich, dem Menschen dasErkänntnis des Guten und Bösen zu eröffnen, worin-nen die Höchste Vollkommenheit und die Gleichheit mitGOtt selbst bestehe. Damit nun die Creatur nichtgleiche Hoheit mit dem Schöpffer haben möchte, habeGOtt ein so scharffeö Geboth gesiellet, dessen angedro-hete Straffe des Todes aber leicht durch den Baumdes Lebens würde können hintertrieben werden.
Durch diese scheinbare Vorstellungen betrog der Sa-tan das unvorsichtige Weib,daß sie eine Lust empfiengvon dem Baume zu essen, weil er lieblich und lustiganzusehen, und klug machte: sie nahm also von derFrucht und aß, und gab ihrem Manne, den sie ausserStreik mit den Schmeicheleyen der Schlangen gleich-falls einzunehmen gewust, auch davon, daß er aß.
Hiermit nun wardas herrliche Gebäude der inerlichenund äusserlichenGlücksceligkeit nicht nur dieser beyben er-sten Eltern, sondern des gantzen menschlichen von ihnenHerstammenden Geschlechts auf einmahl eingerissen. An-statt derHerrlichkeit des göttlichen Bildes fand sich Un-glauben , unordentliche Eigen-Liebe, Hochmuth, Be-gierligkeit, Ungehorsam, ja aller Unflat des Bösen, soaus dem Willen entspringet. Der Verstand verlohrseine Geschicklichkeit nebst der wahren und in GOttgegründeten Erkänntnis der Dinge, wie aus den fal-schen Lonccpren von dem verbothenen Baume zurGnüge erhellet. Sie fiengen an wegen der bey ihnensich erregenden bösen Lust sich ihrer sonst unter der De-cke der Keuschheit schönen und vollkommenen Gliederzu schämen, und sie mit Feigen-Blättern zu verhül-len. Die Furcht und Angst ihres Gewissens trieb sieendlich hinter die dickesten Baume, allwo sich die Elen-den vor dem empfindenden und zum Tode würckendenZorne GOttes zu verbergen meinten- x)
Indem aber die unaussprechliche Erbarmung desHöchsten, die armen verführeten Menschen nicht so,wie die abgewichenen Engel, ohne Hülste verstoßenwolte, so ließ sich die Stimme des HErrn um denAbend, da der Tag kühle worden war, in dem Gar-ten mit zunehmenden Schalle, wie es nach dem He-bräischen lautet, hören. Diese Stimme, welche son-der Zweifel das ewige Wort GOtteS, davon dasEvangelium Iohannis im I. Capitel redet, abbildet,war sonst dem Menschen eine gewohnte, erquickendeund erfreuliche Stimme, jetzt aber versteckte und ver-kroch er sich vor derselben, weil ihm sein anklagendesHertz leicht sagte, daß der gütige Schöpffer nunmehr»nicht anders, als ein strenger Richter, mit ihm um-gehen könne.
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x) ll>i<j, v. 4 . Oonk. IO. >I^XOXIV 8 in iiik. ? 2 cs<iili lik».Z. c. 2 « leq. ^V6V517I>IV8 encbiri-I. scl c. 45 .
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