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Kirchen-Historie Altes Testamentes
Ob sich nun wohl der schüchterne Mensch vor demAngeflehte GOTTes zu verbergen suchte: so liest ihmLoch die unendliche Liebe desselben nach/ und lockte ihnals ein verirretes Schaaff wieder zu sich/ indem sie ricff:Adam, rvo bist du? y) Solcher Verussung warder Mensch nicht ungehorsam / sondern steilere sich vordas Angesicht seines beleidigten Schöpsserö / und be-kannte/ was er verbrochen/ wobey Adam den Ursprungdes Betrugs auf das Weib/ das Weib aber auf dieSchlange weltzete.
Hierauf crfolgete das gerechte Urtheil des allerhöch-sten Richters/ welches doch in Ansehung desMenschenmit vieler Erbarmung und Gnade begleitet ward. Dieverkleidete Höllische Schlange muste zuerst an den Rei-hen/ weil sie Rädelsführerin der rebellischen Missethatgewesen. Die ausgesprochene 8ememr aber war soeingerichtet / daß sie theils die gemißbraucht- natürli-che/ theils aber und vornehmlich die vergisstende hölli-sche Mord - Schlange betrafst
Auf die irrdischc Schlange sind sonderlich die Wor-te zu ziehen: y?eil du solches gethan hast/seystdu verstluchr für allem Vieh / und für aUenThie-ren auf dein Felde. Auf deinem Bauche solt dugehen / und Erden essen dein Levenlang. a) An-dere zwar wollen diese Worte auf die höllische Schlan-ge deuten, welche aber etwas zu weit von dem Buch-staben abzugehen scheinen, K)
Der meisten Meinung A daß dieser göttliche Fluchdas gantze Geschlecht der Schlangen betroffen/welchedadurch ihrer angeschossenen Füsse/ auf welchen sie auf-recht cinbcr gegangen/ wären beraubet worden. Wennman aber die gantze Struktur der kriechenden Schlan-gen anstehet/ so wird man sich dessen sehr schwer bere-den können; wiewohl/ wenn man auf göttliche All-macht provociren will/ so ist derselben alles möglich.Allein, mich beucht, man könne vieler Schwierigkei-ten überhoben seyn, wenn, nach meiner obigen Muth-maßung, ein Drache verstanden, und der Fluch nichtauf das gantz: Geschlecht, sondern nur auf das Incli-uicluum gezogen würde. Denn also könten dem ge-mißbrauchren Drachen leicht die Füsse verdorret undabgefallen seyn, daß er sich, nach dem Ausspruche desRichters, seine Lcbcns-Zcit über auf Erden hätte wel-tzen, und aus derselben auch seine Nahrung hervorsuchen müssen.
Doch, wie ich dieses hier weder gehörig ausführenkau, noch anderer Meinungen verwerffen mag ; gnug,daß man an der Erfüllung des göttlichen Macht-Ur-rheils,es sey aufdiese oder jene Weise, keine Ursachezu zweifeln hatt also will ich mich vielmehr zu den an-dern Worten wenden, welche dem höllischen Drachenden Fluch und die Straffe bestimmen. Diese lauten«lso : Ick) will Leindschaffr seyen zwischen dirund dem weide, und zwischen deinem Gaumenund ihrem Gaumen. Derselbe soll dir den Ropftzertreten , und du wirst ihn in die Versen ste-chen. c)_
)?) 6en. lll, Y. r) Ibis. v. 10. 1 -gq. ») Ibis. v. 14.
d) 8c»dUvlVL in LoUeßio bibl. xriar. x. i;l.
c) 0 en. III, 15.
Man mcrcket hicrinnen zweyerley,nemlich die Straf-fe vor den Satan, und die Gnade vor den Menschen.Straffe vor den Satan war die Feindschafft des Wei-beS-SaamenS/Nnd die durch selbigen erfolgende Kopss-Zertretung der höllischen Schlangen- Gnade vor denMenschen war, daß GOTT den Weibes-Saamen,alsden Hcyland der Welk, welcher nach seiner menschli-chen Natur nur des Weibes-nicht aber des Mannes-Saamenö thcilhasstig worden , zum Untertreten derMacht des Teufels, und:Zerstörer seiner Wercke cl)dem Menschen zugute schcnckcn wölke; daher auch die-ser Ort als das kroccuangeHum, und die erste Aufrich-tung des Enaden-Bundes GOttes mit den Menschen,anzusehen, e^) So wunderbarlich nun wüste es dieWeißbeit GOttes zu wenden, daß dem Satan seinFrevel selbst auf seine» Kopff kommen muste, und daec mcinete, das gantze Merck GOttes an dem Men-schen über den Haussen gcworffen zu haben, so gedie-he ihm der Rath GOttes von dem Heyle der Welt zudesto empfindlicherer Verdamnis und Schande.
Nachdem also die überschwengliche Barmhertzigkcitdes Höchsten vor den ewigen Tod des Menschen einMittel auögefunden, so eröffnete er auch als ein ge-rechter Richter erstlich dem Weibe, als welche eherge-sündiget, r) und so denn dem Manne die Beschwer-lichkeiten des zeitlichen Lebens, welche sie sich durch dieSünde auf den Hals gezogen hatten. Solche warendie Geburths-Schmertzen, welche das Weib im Stan-de der Unschuld kcineswegcs, wie einige vorgeben, g)würde gehabt haben, die Unterthänigkeit desselben gc-gen ihren Mann, die Unfruchtbarkeit der verfluchtenErden, und in Summa das Schweiß-volle und Ar-beit-seeligeLeben, b)
Bald nach solchem angehörten Urtheile musten dieMenschen das Paradies räumen, und das so viel eil-fertiger, damit sie sich nicht etwa gelüsten lassen möchten,von dem Baume des Lebens, der mitten im Gartenohnferne dem Baume der Erkämniö Gutes und Bösesstund, zu essen, und durch die Kraffte desselben ihr na-türliches unglückseliges Leben gar zu sehr zu erwei-tern. i) Zu dem Ende bestellet- auch GOtk der HErreinen Cherub mit einem blossen hauenden Schwerste,oder wie es eigentlicher möchte gegeben werden, mitSchwcrdt-Flammcn, das ist, mit Jener, welches alsblinckendc Schwerster den Garten umgeben, und vondem Engel erwecket und regieret worden, auch nacheiniger Meinung, den Garten nach und nach verzeh-ret, I<) wiewohl andere glauben, daß seine Zerstörungerst ^urch die Sünd-Fluth erfolget.
Was vor Hertzeleid Adam an seinen ältesten Söh-nen Cain und Adel erlebet, werde ich unten bey denVerfolgungen erzehlen. Endlich starb Adam, nachdemer 9 zo. Jahr alt worden. I) Von seinem Begräbnissefindet man allerhand Gedancken. Einige halten davor, ec
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vexurir p. 25. f) l.ltim. ll, 14- F) lO. Ll.LKILV8 Lc»n-msnr in V. 1 °. »s d. l. k) 6en. Ill, 16. i) Lnnf.
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