I. kerioä. V. dap. Von dem äußerlichen Zustande der Kirchen.
Hr
die Familien der Patriarchen so starckund mächtig/daß sie den Lamiren leicht die Wage halten konten.
VIII.
Wie ist die Sünd-Ftuth über die erste Weltgekommen?
Die Voßheit der Menschen ward so groß auf demErd-Voden/ daß es GOttanfieng zu gereuen, Menschengeschaffen zu Haben. Worinnen aber das verdorbeneWesen der Menschen bestanden, lässet sich aus der Er«jchlung Mosts leicht abnehmen.
Nehmlich ie mehr der Menschen wurden, ie mehrnahmen die Aergernisse überhand, .welche endlich allegute Regungen bey ihnen erstickten. Der Grund solcher Aergernisse war die Erb-Sünde, oder das vonJugend auf böse Dichten und Trachten des menschst-chen HertzenS, welchem zuvorderst die Cainiten, durchdas ruchlose Exempel ihres Stamm-Vaters Tarn ver-leitet, den Zaum verhengeten, und dadurch auch endlichdie Sechsten ansteckten, uud nach sich zogen.
Bey mehrern Überflüsse des menschlichen Lebens,welcher durch die Ausbreitung der Leute anwuchs, *)nahmdie Wollust überhand, daß jedermann in der Sicher-heit des Fleisches sich seinen Begierdtcn überließ, aßund trunck , freyete und sich freyen liesse- HAbsonderlich ergab man sich nach dem wollüstigenExempel Lamechs der Viel-Weibercy,also, daß auchdie Rinder GGttes, oder Sechsten, ihre Augen aufdie Tochter der Menschen, oder Cainiten wursten,und zu Weibern nahmen, welche und wie viel siewalten. K)
Ihr Leibes-Vermögen, wodurch sie damahls zu ei-nem gar hohen Altergelangen konten, gab ihnen Gele-genheit, ihre Lüste desto kräfftiger auszuüben, und sichdadurch desto gewaltiger fesseln zu lassen. Wobey denndie Furcht GOttcS und die Empfindung des Gewissensdergestalt erkalteten und erstürben, daß sie endlich ausder Gottseeligkeit ein Gespötte machten, und in denvölligen /stbeii'mum verfielen.
Die Klage GOttee, so er dißfalls gegen LTkoah füh-rek, giebt uns solches zur Gnüge zu erkennen, daer hcisser: Die Menschen wollen sich meinen Geistnicht mehr straffen lassen, denn ste sind Fleisch.Aus welchen Worten so viel abzunchmc«, daß GOttder HErr zwar durch seine Diener, die gottseeligen Pa-triarchen, mit Ernst ermähnet, gcwarnet und gestraffthabe, aber die Menschen, welche aller Gottesfurcht entsaget, und ihr Hertz uud Gewissen verhärtet hatten,«olcen nichts mehr annehmen; es wäre alles vergebensund verlohren, daß das Erbarmen ein Ende habonmäste. Denn sie waren in ihren Fleisches- Lüsten so er-soffen, daß sie auf weiter nichts mehr gedächten, alssich an selbigen ohn alle Scheu und ohn alles Aufhö-ren zu vergnügen.
Daß es an der Sünde in den Heil. Geist und an gräu-lichen Gstteö-Lästerungen nicht niag geffhlet haben,lehret die Prophezeyung Heuochs: Siehe, derHERR kommt mir viel raufend Heiligen Ge-l
richt zu halten über alle, und zu straffen alle Gore'lose um alle wercke ihres gottlosen Wandels,daß ste gottlos gewesen sind, und um alle dasHarre, das die gottlosen Sünder wider ihn gere-det haben, ch
Zu allen diesen kam die Tyrannei), welche von denMächtigsten ausgeübet wurde. Denn so erzehler Mo-ses : 'Es waren auch zu der Zeit Tyrannen aufErden; Denn da die Rinder GOttes die Töch-ter der Menschen beschiieffen, und ihnen Rinderzeugeren, wurden daraus Gewaltige in der Weltund berühmte Leute, e)
Wer die Rinder GDttes und die Rinder derMenschen gewesen, ist schon aus obigem bekannt. Esist aber nicht einerley Meynung davon bey den Ausle-gern. Viele von den Kirchen - Vätern, f) wie auch ei-nige unter den Iüden, p) haben in der Einbildung ge-standen, daß durch die Rinder Gottes die guten En-gel gemeynek würden, welche gegen die sich üppig ent-blößenden Töchter der Menschen in unordentliche Liebeverfallen, und sie geschwängert hätten. Es beredetensich nehmlich viele unter den Alten, daß die Engel sub-tile Leiber hätten, und also auch den fleischlichen Be-gierden unterworffcn wären. Man findet dahero auchbey den Siebenzig Dollmetsihcrn, daß m'nbn vz.die Rinder Gottes durch ^ s «, Engel Gor-res übersetzet worden. Wenn aber aus dem Auöspru-che unsers Heylandes offenbar, daß ein Geist nichtFleisch und Bein habe, K) die Engel aber Geistersind, i- so wird ein iedweder gar bald wissen können,was von diesen Gedancken zn halten.
Noch ist wegen der obgedachten Tyrannen anznmer-cken, daß sie die meisten Jüdischen, K) wie auch neuerechristliche Scribenten vorRiestn Halten, welche Be-nennung ihnen auch die Siebenzig DoUmersther bey-legen. Nun kan das Hebräische Wort solche
Bedeutung garwohl leiden: allein das WortTyranneschicker sich nach den Umständen wohl am besten, m)weil diese Leute, wie obgedacht, über andere hergefal-len, und sie sich unterworsffn; wiewohl sie dabey auchLeute von besonderer Länge und Stärcke gewesen seynkönnen.
Indem nun die Übermächte Bosheit der Menschenkein Mittel zur Besserung weiter zulassen wolte, soreueteeö GOtt, daß er die Menschen geschaffen hatte,»)das ist, er beschloß, obwohl in grosser Betrübnis seines'HertzenS, o) daß er sie sämmtlich von dem Erd-Bodcnvertilgen wolte. Damit er ihnen aber doch den Reich-thum seiner göttlichen Güte, Gedult und Langmuth
jcigen.
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egreßarir. k) l-uc. XXIV, ZY. i) Uriir, 1,14. k) Vid.X. SLU L8XX in k.r. t) c»n 514 lit.ctttvx ; LMLXM-XV 3 äe republ. Llrr-knr. i,l>. I. c«p. 4. m) Vid. d. IO.cl8-7V8 XVONLV8 »i». Lccl-f. Vrr. I-LI. ,z8.n) Oencs. Vl, 6. 0) ibid«».