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Unpartheyische Kirchen-Historie Alten und Neuen Testaments ... / [Johann Georg Heinsius]
Entstehung
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I. Cap. III. Abth. von der 4eHre.

„licheS und unstreitig schönes in demselben anzu,„treffen, aber daß auch noch sehr viele Abschnitte,„Tiefen und unbekannte Gegenden darinne zu„finden, die wir schwerlich in der Niedrigkeit und„Schwachheit, in der wir hier leben, ausfüllen und„entdecken werden. Die alten und neuen Weltwei-ten haben sich aufs äuserste bis daher bearbeitet,„dieses Land, wenn man uns erlauben will, unter„einem Bilde zu reden, in eine richtige Charte zu„bringen. Ihr Fleis ist rühmlich, und sie haben„nicht gar vergeblich gearbeitet. Allein sotten wir,,ganz unverständig urtheilen, wenn wir sagen, daß„die meisten derselben es wie die Erdbeschreiber ma-nchen, welche die Gegenden, die sie nicht kennen,„mit Wasser überziehen, und auf ihren Landchartcn„viel Völker ersäuffen, die vielleicht trocken und ru-„hig in ihren Vaterlands leben, damit es nur das„Ansehn haben möge, daß sie einen vollkommenen„Abriß von der Welt gegeben. Man halte dieseStelle hernach mit dem zusammen, was alsdenn vondenFchlern soll gesaget werden, so wird man in man-chem Stücke auf die Wahrheit oder Unwarheit des-sen, was wir anzeigen, sicherer schlüssen können.

Daß die Sittenlehre fleißiger als femals getrie-ben wird, haben wir vorhin gedacht, unddieSchrif-ten der Gottesgelehrten liegen am Tage. Inson-derheit hat es bisher die Nothdurft erheischet, daswahrhaftige und grosse Verderben des Menschen inder Gestalt, wie es die H. Schrift beschreibet, unddie Erfahrung denen, so die Eigenliebe nicht blen-det, alle Tage bestätiget, vorzustellen ; weil einigebey Erhebung der Vernunft immer vollkommeneMenschen voraus gesetzet, und so geredet und ge-schrieben haben, als ob ihnen alles, was die Schriftvon den übernatürlichen Gnadenwürkungen und demBeystande des H. Geistes in der Bekehrung undErneuerung des Menschen lehret, unbekannt oderunrichtig verstanden sey. Wie die Lehren von derBusse, von dem rechten und heilsamen Gebrauchder Gnadcnmittel, vom Gewissen, von dieser undfener Pflicht des Christen, insonderheit in vielenSchriften mit Mühe und Treue abgehandelt wor-den, liegt in den Nachrichten von den neuestenSchriften am Tage. Man hat zwar den Anfang,sich der neuen Lehrart dabey zu bedienen, glcichfalsgemacht; doch es ist noch bis jetzo nur bey wenigSchriften geschehen. Der öffentliche Vortrugder göttlichen Wahrheiten in den Versammlungender Christen , ist, wie bereits oben gedacht, schonseit dem Anfang des jetzigen Jahrhunderts noch umein grosses verbessert worden. Man hat verschiede-nes, das unnütze und überfiüßig aus der Schulbe-redsamkeit noch übrig war, glücklich hinaus gewor-M. Theil.

fen, und den Vortrug kürzer, ernstlicher und nach-drücklicher eingerichtet. Insonderheit hat man zuden neuesten Zeiten darauf gedrungen, daß der Red-ner jedesmahl eine wichtige Glaubens-und Lebens,lehre aus seinem Texte, ordentlich, ohne lange Um-schweiffe, gründlich und überzeugend abhandeln solle:wir werden aber hernach hören, in was vor Fehlerman aufder andern Seite darüber gefallen sey. Dasübrige, so etwa hieher gehören möchte, kan marrsich aus den neuesten Geschichten der theologischenGelehrsamkeit unterrichten lassen f).

IV.

Was hat man von den Fehlern und Irrthü-mern in der Lehre zu merken?

Man beobachtet

I. Die Fehler» und Irrthümer bey den Evan-gelisch - Lutherischen.

II. Die F hier und Irrthümer bey den Rö-misch - katholischen.

in. Die Fehler und Irrthümer bey den Re-fsrmirren.

v.

Was vor Fehler und Irrthümer zeigen sichbey den Evangelisch-Lutherischen ?

So lange es dem HErrn gefallen wird in seinemWeinberge keine Engel, sondern Menschen zu sei-nem Dienst zu gebrauchen, so lange wird man auchbey den Gemeinen, die das Wort des Höchsten lau-ter und rein unter sich wohnend haben, von Fehlernzu erzehlen wissen, so sich hier und da neben der rei-nen Lehre zeigen. Denn in dem Verstände so wolals dem Willen der Sterblichen, liegt immer etwas,so sich zu Abweichungen und Fehlern auf dieser oder/ener Seite neiget. So lange man auch nicht gänz-lich verhindern kan, daß Unglaube und Aberglaubebey einem oder dem andern Gliede der sichtbarenKirche sich in dem verderbten Herzen einzelner Per-sonen feste setzen, so lange wird man auch der Irr-thümer gedenken müssen , welche sich in derselbenbald hier bald da geoffenbahret haben. Allein diesesind keinesweges als allgemeine Krankheiten, wo-durch die ganze Kirche verderbet sey , sondern nurals heimliche Seuchen anzusehen, welche bald einengrossem bald kleinern Theil, bald auch nur einigewenige Personen derselben angestecket haben. Manmuß sich dessen erinnern , was in vorhergehendenbey dem jetzigen Jahrhundert schon gedacht worden__ist-

k) Unsch "Nachrichten in der kurzgefasten Kirchcnge-schichte von »7;^ - »74o. Die Vorrede zu dem zwcyrcnBand der Nachrichten von den neuesten throl. Büchern u.Schriften.

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