I. §ap. IV. Abth. von den Zwistigkeiten.
429
einer Sache nicht von dem Mißbrauche derselbenunterscheiden wolte. Oft sind es bey denen, so keineGotteSgelahrte sind, grosse Uebereilungen, wenn siealso reden, weil sie die Wichtigkeit der Sache nichtso, wie die Gottesgelehrten, einsehen. Hingegen istes schon von denen, die gern in Verwirrung in derLehre anrichten, eine alte und bekante Sache, dassie wider das ganze Straf-und Wcrnungsawtreuer Wachter der Kirche zum voraus protestiren,henden Mann, ehe er rechtlich und auf dabey vorge-j^^^^ ihnen Eingang desto leichter sey. Dieseschriebene Weise eines Irrthums überwiesen wor-^gerneine Anmerkung kan man auf alle Freygeisterden, öffentlich auf der Eanzel oder dem ^.athederl^h »Vchwermer deuten, welche in dieser Kirchenhi-entweder nahmentlich oder auf eine andere Art solten'^^ vorkommen werden.
XXIV.
Was ist wegen desSlcnchi und anderer dahin gehörigen Puncte etwa nochanzumerken?
In den Römglni preußischen Landen wur-de I7Z7- eine Verordnung bekant gemacht, darinnebey scharffer Ahndung den Geistl.chen und Profes-soren verboten ward, daß siö keinen in Lchramke ste
suchen verdächtig zu machen, oder falscher Lehre zu bcschuldigen: viclweniger solle sich jemand unterste-hen, weltliche und politische Sachen oder Reste) io-ncS über diese und jene im Lande gemachte Verän-derung auf die Canzel oder das Catheder zu bringen;sollen es auch gleich Kirchen-oder Schulen, oder
Ein einiges aber ist hierbey noch zu gedenken.Weil der Herr Professor Zscdackwitz zu Halle inseinen Schriften den der Evangelischen Religionwidersprechenden Seelen eine seligmachende Kraftund Wahrheit beygelegt, den Elenchum verworffen,und sich gegen solche geneigt bezeigt hatte,
Akademische Anordnungen seyn, wenn sie auf aller- welche die nomina clilcreriua mißbilligen, so fandhöchsten Königlichen Befehl von scmand gemacht stch semand, der ihn seine Lehrvergchungen entdeckte.
würden u. s. w. r)
Dran sahe: Dietrich Christian LVolffeus Spra«
In der Bönig ich-Dänischen Instruktion chx der Indifferentisterey, Hamburg l?Z 9 - wozu
zur Aufsicht über das Kirchen - und Schulwesen imHerzogthum Schlcßrvig-Holstein, war so viel die-sen Punct betrift, verordnet, es solle niemand Schul-gczänke, fremde Lchrstreitigkeilen, und »»zeitigeWiderlegungen theils unbetonter, theils unschelt-barer Bücher auf der Eanzel vorbringen, oder seine
Herr pkeurneister eine Vorrede gemacht hatte, u)
Als der Herr Graf Zinzendorf seine Beligions-sprache oder Bibelsurache, wie er sie nennet, er-funden hakte, beschrieb er sie also: Sie kenne das,was in der Hauptsache nicht stecke, aber wohl aufLogomachien ankomme, gleich renoviren, und sey
Eollcgenzar verketzern, dabey ihnen im Gegentheil Sprache des Heylandes und seiner Apostel, zuvorgeschrieben ward, 5) wie sie sich bey zu befor-!melcher 1000. redliche Herzen, die sich bey der Theo-gender Einreissung irriger Lehre zu verhalten hätten,'^gen Ausdrücken schüttelten, augenblicklich ja sag-daß mehr Frucht davon zu erwarten sty, als durchixn: dadurch der Mennonist, Socrnianer, Arianer,das öffentliche Rügen derselben. Doch wir werden^i^^^^ Vöhmist, Anglicaner, Remonstrant,
dergleichen Verordnungen noch einmal zu gedenkenGelegenheit haben, wo eö der Raum zulaffet.
Unter den Gotteogelehrten ist die Sache ziem-lich ruhig gewesen. Daß man den Irrthümern,wo,es noth ist, auch öffentlich und nachdrücklich wi-dersprechen solle, bleibet ausgemacht, und ist noch vonHerr Berrrün, r) vor kurzen bewiesen worden.Je gelinder aber einige in Religionssachen zu ur
Quacker, Separatist u. s. f. und was sonst nicht Lu-therisch sey, dem es nicht am Herzen, sondern nuran Einsicht fehle, gleich zu Lutheraner gemacht wer-de, wenn ihm IEsu Lehre nicht theologisch oderlateinisch - deutsch, sondern Apostolisch-deutschvorgetragen werde. Man könne damit sowo! einemehrlichen Wittenberger, Helmstadter, Hallenser, alsandern Philosophen, Dippelianer u. d. g. anS
theilen gewohnt, desto weniger haben sie die Schär- reden, ohne daß man etwas schreckliches, wiest bey den Widerlegungen irriger vchrep gebilliget.^jx Theologie, sagen dürffe. x) Dergleichen DingeD.e meisten aber haben von beyden t heilen daraus i.estk man noch hin und wieder,gedrungen, dasimandurch dteGrundlichkeitdeeVor-j XXV
gangen?
Auch wegen dieses Punctes, ist, wenn man ihn
Kctzernmachcrn reden, sind entweder überhauptFeinde des Lehramtes, oder bey der alten Gewohn-heit noch geblieben, da man den rechten Gebrauch
r) biilc«'. eccles 1. II. p.
(sdcn dieselbe IV, p. ^9.r) Fuchaufgelcsenc Früchte x. 15;.
Hhh Z
nach
Eben dieselbe 17;-. p. rir. ^
x) Büdingiscbe Samlunqen erster Band p. rr6. Nach-richten von den neuesten Theologischen Büchern V. I.z». rs.