I. Eap. IV.Abth. von den Zwistigkeiten.
oer Böhmischen Bruder bekant. Sie haben ihreeigenen Lehrer behalten, auch solche ausser unsererKirche bey den Ncformirten einsegnen lassen: Sierichten auch noch in, unter, und aus unsern Geme>-nen, die nachdem es ihnen öffentlich erlaubet ist,ihre gottesdienstliche Übung besonders haben. Dieältere Kirche der Böhmisch- und Mnhristhenprüder ist billig theuer und werth, ja vor ein Klei-nod ihrer Zeiten zu achten, aber sie wirb damit deransrigen nicht vorgezogen. Die aber, so heut zuTage sich zu dem Überbleibsel der Mährischen Bru-der gesellen, eine neue Vcnassung unter sich errich-ten, oder von andern Religionen und Secten zusam-mcn dazu treten, haben billig den Verdacht auf sichgeladen, daß man nur Gelegenheit und Freyheit su-che, in und unter andern Protestantischen Kirchen,sonderlich in unser Lutherischen allerley Aenderungihrer Verfassung vorzunehmen. Man nehme soweite Schranken eines unbestimmten Lehrbegrifs an,und wolle sich so wenig zu den llnterscheidungslehren,worinne andere Partheyen unrichtige Meynungen ver-worfen werden, deutlich bekennen, daß sichs nicht be-st,Minen fasse mit welchem Lehrbegriffc verschiedenerKirchen die Herrenhutische am meisten übereinkäme.Lehrer hatten daher behutsam und bedächtig mit den-selben zu verfahren. Wolle die Kirche dieser Bru-der vor sich bleiben, so könne man sie ungestört las-sen, als Leute, die ihren Herren stehen und fallen.Wolken ihre Glieder unter den ungläubigen Völ-kern und versinsterten Ländern des Evangelium ver-kündigen, oder auch irrendeund gefährliche Sectenzu recht bringen, so habe man es eben nach Phil l.18-nicht zu hindern, oder ungleich zu beurtheilen.Selten sieabersich in unserer Kirche auszubreiten undunter demVorwand nähere Verbindung der Gläu-bigen zu stiften, gute Gemüther an sich zu ziehensuchen: so muß solches gemißbilligel werden, weilsie darinne von dem Verhalten der ältern Brüder-gemeine abgehen, ihrem eigenen Vorgeben von derÜbereinstimmung mit unserer Kirche widersprechen,und den Kirchenfrieden stören. Überhaupt müssemqn an den Brudern heut zu Tage aussetzen: l)Daß sie in der Bekehrung das Gesetz bey Seite
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Meynungen beylege. Wenn man diese Regulnbeobachte, so werde sich sehr vieles an den Brüdcrnund in ihrem Lehrbegriffc finden, z. E. von derErbsünde, von der Vollkommenheit, von der Ver-gebung der Sünden, von dem Kampf der Gläubi-gen gegen die Sünde, u. s. f. so der geoffenbartenHeilsordnung zu wider, irrig, und gefährlich sey.
Bey der Blrchenzuchr und Elnrrchrunn derGemeine, harte der Herr Kirchenrath walch in-sonderheit manches bedenkliche bemerkt. Man fändevieles, das weder in der Prapi der Apostolischenund ersten christlichen Kirche gegründet; noch beyden alten Böhmischen und Mährischen Brüdern üb-lich gewesen: die vielen äußerlichen Anstalten wärenweder der Einfalt des Christenthums gemäß, nochder Beförderung desselben vortheilhaftig: die Ge-wissen wurden beschweret: Man suche eine Gemeinezu stiften, die aus eitel Frommen und Bekehrtenbestehe: Sehe man nur auf die Kinder GOttes,daß sie in genauere Gemeinschaft kämen, so brauchees so vielerlei) Anstalten nicht: Man gebe den Scheineiner Separation: Bey den vielerlei) Aemternwürden die Seelen mehr auf sich, denn auf anderegefnhret; Man habe bey Austheilung derselben nichtallezeit-eine richtig Erkentniß von den Gaben, dieeiner dazu mitbringen muß: Die Bestellung derPrivatlchrer und Helfer, gebe Gelegenheit zur Ge-ringschätzung des Predigamts: Manche Aemter wä-ren so beschaffen, daß sie ohne Verdruß und Zerrüt-tung der Gemüther nicht wohl tönten verwaltet wer-den : Auf gleiche Weise sey bey den Banden, daman eine solche Vertraulichkeit errichtete, daßman einander al.eS , was man auf dem Herzen undGewissen hätte, sagen solte; bey dem blinden Ge-horsam gegen die Bruder; bey dem Loche; beydem so streng eingeführten Bruder - und Schwe-sternamen u. s. w. gar vieles zu bedencken. p) Nochmehr aber bey dem Versuch, den man hier und dagemacht, die Anstalten weiter anzubringen, andereGemeinen zu sammlen und in dieselbe Form zu gieß-en u. d. m.
Nun ist noch etwas von den äußerlichen Um*stand n und der vcrjj ehren Ansbrertunck dieser
stzken, und die Antinounstischcn Irrungen erneuer- Gemeine zu gedenken übrig. Waren 17^7. durchten. 2) Daß sie die Lehre von der Busse nicht lei- ein Königl. Chursächsischcs Verbot gleich alle Pri-den, sondern liebervor einen Umweg halten wolten ;.) vatzusammenkünfle scharf verboten, und so gar dieDaß sie den Gebrauch des GesekeS nach erlangter!Güter des Herrn Grafen ausdrücklich benennet,Vergebung der Sünden nicht litten. Wer da wei gie gen doch die Anstalten daselbst ungehindert
ter von der Gemeine urtheilen wolle, der müsse sichhüten, damit er nicht theils emzelcr Leute Irrthü-mer der ganzen Gemeine beymesse ; theils unbegucme Ausdrücke ungclehrter Leute, so lange sie nocheiner guten Deutung fähig, gleich für Irrthümer er-kläre,- theils irrenden alle Folge,» ihrer unrichtigen
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fort.
0) Baumgartens theol. Bedenken. Erste Sammlung
y. irz. leg.
p) Wal bs Einleitung in die Religionsstreitigkeilrn derlutherischen Kirche 1. V. p. 697. l'c?.