247
I. Cap. IV. Abth. von den Zwistigkeiten.
schen einen weniger traurigen Auögang geben wollte,als derselbe würde gehabt haben, wenn GOtt nichtgütig wäre, zu wissen. Nun sündigte er, und wardgewahr, daß er nackend sey, das ist, daß er nun, da
des Bösen, dennoch das meiste Gute, in Vergleichungaller andern möglichen Weltordnungen, in der gegen«markigen erhalten werden könne. 2) Weil seine Weis-heit ein solches Mittel in Bereitschaft hatte,wodurch
er vorher mehr geistlich gewesen, ein freyes Vermö^nicht nur aller Schaden und aller, Verlust, den dergen gehabt, sich mit dem, was edlen Seelen geziemet,^Fall nach sich gezogen, auf eine ausnehmend herrli
zu beschäftigen, vielmehr sinnlich, irdisch und fleisch-lich, und sein Geist von einer Hähern Staffel herun-tergesetzt worden. Und wie es damit zugegangensey, sucht der Verf. noch weiter zu erklären *). Esschien der Mühe werth zu seyn, das System einesGelehrte», der in der That eine neue Thcvdicce auf.zuführen versprach, etwas ausführlich zu beschreiben.Es ist aber unsere Schuld nicht, wenn die Leser da-mit nicht befriediget worden sind.
Mit einer weit vonüglichern Fähigkeit erneuerteHr. Bnc. Friedr. Herbst, Kön. Preuß. Eonsist.Rath,adsungirker Superintendent des FürstcnrhumS Min-den, und ordentlicher Prediger in Petcrshagen, sei-nen Angriff in der fortgesetzten Prüfung derBöl-dlct'ifichenLchrfatzevon derFreyheir desVOillens,dem Falle der Menschen, der Zulassung des Bösen, dem Grts der Hollen, und von der göttlichenElfsenbaruntf, welche er in seinem abermaligen Ver-suche einer Theodicee vorgetragen hat, rc. Halle 175z.l lllph.in 8. Hr. Herbst nahm darinne des Hrn Böl'dieke Antwort auf seine abermalige prüsiu'.I nicht
che Weife ersetzt werden konnte, welche nie genugbewundert und gepriesen werden kan, sondern wodurchauch eben diese Welt einen unendlichen Vorzug vorallen übrigen erhalten hat, indem der Sohn GOt-tes, durch den alles geschaffen ist, in diesen Zusam-menhang der Dinge, und sonderlich in die Reihe derMenschen gebracht worden, z) Weil GOtt, ohneeinen ihm unanständigen Zwang, den Fall derMen-schen nicht hätte hindern können s). Von dem übri-gen Inhalte des Buchs können wir keine» Auszugmachen; wir wollen aber nicht leugnen, daß es inunsern Augen eben so scharfsinnig und noch gründ-licher geschrieben sey, als die Versuche des HerrnBoeldieke. *
Endlich müssen wir auch noch einer Streitschriftgedenken, welche Hr. M. Johann Ernst Gun-ner, Adj. Philos. zu Jena A. 175g. unter seinemVorsitze vertheidigen ließ. Ihre Aufschrift war:ccmrinen; c.iulsm Oei, vulgoBIieocticcam, rationeoriginiü er permillionis mali in munäo habica. DieHauptsache kam dabey auf die moralische Zulassung
vor, weil er entschlossen war, den Streit, wo nichsdes Fallesan, und den vornehmsten Grund von die-
gänzlich abzubrechen, doch eine Zeitlang ruhen zu las-sen, zumal da es das Ansehen habe, als wenn bey die-sem Streite nichts mehr gewonnen oder verloren wer-de als dieses: es kan so sin-n. Er setzt also nur diePrüfung dcS ganzen BöldiEischen Lehrgebäudesfort. Zuerst untersucht er die ichre von der Frey-hc»k des Menschen, rettet die Leibnitzisibe Erklä-rung derselben, und giebt selbst folgenden Vegriffvonder Freyheit: Sie ist eine wesentliche Kraft einesGeistes, nach seiner Einsicht und Wahl, sich selbstzum Wollen edcrNichtwollen, zum Thun oder Lassenz» bestimmen. Hierauf handelt er von dem Falle des
Menschen, und erinnert einige? gegen die Erklärung,, , , -- .. - .
welche Hr. B. davon gegeben hat. D>e Leibnitzi->solches gewiß dadurch erfolgt, daß der größte <he>»sehen Grundsätze werden hier wieder vertheidigt. Zu, der streitenden Männer voll Einsicht, WahrheilS-
ser setzte der Verf. darinne: daß die Tugend undGlückseligkeit der vernünftigen Geschöpfe sehr ver-ringert seyn würde, woGOtt den Sündenfall mo-ralischer Weise, (durch neue oder größere Bcwe-gungsgninde) verhindert hätte. Denn je leichtereinem eine freye Handlung werde, desto geringersey der Grad ihrer Sittlichkeit, U. s. w.*).
Wenn die wichtigen Fragen, über welche dieseStreitigkeit geführt wurde, durch die vor dießmalund in der vorhergehenden Fortsetzung angeführtenSchriften aufgeklärt, und die zulängliche Richtig-keit älterer Beantwortungen der Basischen Ein-würfe mehr ausser Streit gesetzt worden ist: seist
Entscheidtingsgrilttden, warum GOtt, ohne seineGüte zu verletzen, das Böse habe zulassen, und sol
liebe und Mäßigung gewesen sind. Die ganze Ma-terieverdient allerdings, auchwenn keine neue Fein«
cheS,wie er doch nach seiner unumschränkten Macht de der Offenbarung aufstehen, welche dieselbe zu ver-vcrmocht hätte, nicht hindern können, giebt er folgen- wirren suchen, daß sie mit Fleiß erörtert werde, vnde an: r) GOtt habe gesehen, daß nicht nur bey der daß sich der menschliche Verstand daran u e, umZulassung des Bösen mehr Gutes würde statt haben immer mit desto größerer Ehrerbietung und Dan »kennen, und daß duich die Verhinderung deö erster»,sbarkeit auf die H. Schrift zurück zu kommen. Man
zugleich sehr viel von dem Iczleni würde verdrängetwerden, sondern daß auch. ungeachtet der Zulassung') Rraft» thcol. Tlblwihck, »orer Land, S. 899. fg i
wild es uns hoffentlich nicht verargen, wenn nur
-l) Rrafk.-, cheol. Bibliothek, roter Band, S- fg,
B 'llbLidors i. L- urcr Band, S zz.'
bey