Band 
Erster Band.
JPEG-Download
 

58

1785—1789

befleckt zu erhalten. Dieser Blick schickt sich indeß nur für meineLage, für meine größtenteils vollendete Laufbahn. Du stehst nochaus dem Ansang derselben. Jugendkräfte müssen angewendet werden,und erst nach überstandenen Schwierigkeiten darf man an ruhigeresLeben denken, und auch da noch braucht es reife Ueberlegung, obman die Ruhe wirklich genießen kann und soll." Unter den jüngernMitgliedern von Gesandtschaften trat Wyß besonders der nachmaligeLandammann von St. Gallen, .Karl Müller v. Friedberg, näher,der seinen Vater als zweiter Gesandter regelmäßig nach Frauenfeldbegleitete. Die Bekanntschaft wurde zu vieljühriger Freundschaft undveranlaßte euren allmälig sehr umfangreich werdenden Briefwechsel,der besonders, als die Unruhen im Gebiete des Abtes von St. Gallenbegannen und Müller sürstübtischer Landvogt im Toggenburg wurde,praktische Wichtigkeit erhielt. Müller's lebhafter, munterer Geist,gepaart mit für jene Zeit seltener staatswissenschaftlicher Bildung,großer praktischer Gewandtheit und bei aller Klugheit doch gemüth-lichem, für Freundschaft sehr empfänglichem Wesen übte aus Wyßstarke Anziehungskraft. Die konfessionelle Verschiedenheit war wenigstörend, da Müller, obschon dem Dienste des Abtes treu ergeben,nichts weniger als entschiedene konfessionelle Färbung hatte. Auchin politischer Hinsicht bestand damals, so lange das alte helvetischeStaatsgebüude noch aufrecht stand und beide Freunde an der Er-haltung desselben thätig waren, noch keine wesentliche Differenz.

Die amtlichen Geschäfte ließen dem Sohne Wyß in diesemJahre noch viele freie Zeit zu anderweitiger Thätigkeit, so besonderszu der von 1786—1789 sich hinziehenden Bearbeitung der Lebens-geschichte seines Urgroßvaters, des Bürgermeisters Johann CasparEscher, die, dem Vater gewidmet, 1790 im Drucke erschien. DasBuch ist nicht bloß eine umfassende Darstellung des Lebens destrefflichen Mannes, sondern zugleich ein wesentlicher Beitrag zurSchweizergeschichte der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. DieErzählung legt auch das Hauptgewicht aus die politische ThätigkeitEscher's und konnte eine der Hauptpartien der letztern, die erfolg-reiche Genserische Mediation von 1738, um so einläßlicher und rich-tiger darstellen, als der Autor persönlich mit den Genfer'schen Ver-sassungswirren genaue Bekanntschaft gemacht hatte. Nicht ohneGrund wurde das Buch, das die mehrfachen, von Escher geschickt