1798
219
bernerischen Truppen gestempelt, und am 27. und 28. Januarzogen die französischen Truppen unter den Generalen Rampvn undMenard sowol zu Schiffe vom savoyischen Ufer her als zu Landein die Waadt ein. Menard nahm sein Hauptquartier in Lausanneund seine erste Verfügung war, daß zum Besten der schlecht bewaff-neten und bekleideten Mannschaft (anfangs nur ca. 11,000 Mann)ein sogenanntes Anlehen von Fr. 700,000 und Requisitionen allerArt erhoben wurden. Ein waadtländisches Corps sollte zur Unter-stützung gebildet werden, kam aber nur mit großer Mühe und an-fangs in geringer Zahl zu Stande. Die Bernertruppen, nun voll-ständig aufgeboten, 30—32,000 Mann stark mit Einschluß der Land-wehr, nur allmälig durch schweizerische Hülfstruppen in geringerAnzahl verstärkt, sammelten sich in 5 Divisionen vertheilt zu Deckungder langen Grenze von den Marken des Walliserlandes bis zu denendes österreichischen Frickthals. Mit dem den Franzosen überlassenenWaadtland vereinigte sich auch der französische Theil von Freiburgund die Stadt Freiburg selbst konnte nur ungenügend gedeckt werden.Es scheint, Freiburg, obschon früher immer eine hohe Sprache gegenFrankreich führend, habe militärische Rüstung sehr vernachläßigt. ImUnterwallis erhob sich der Ausstand ebenfalls, und Genf, obschonformell noch nicht mit Frankreich vereinigt, mußte Truppendurchmärschesich gefallen lassen und Munition liefern. So war der französischeTheil der Schweiz bereits verloren, und nur Neuenburg, da politischeGründe Schonung des Königs von Preußen geboten, blieb in un-gestörter Neutralität. Einen ganzen Monat standen die Truppennun ohne weitere Thätlichkeiten sich gegenüber, während die LemanischeRepublik nach den Instruktionen Laharpe's sich constituirte.
Gleichzeitig mit diesen Vorgängen in der Westschweiz erfolgteunter Beihülfe eines Vereins von Stadtbürgern die friedlich ver-laufende Umwälzung in Basel, die schon am 20. Januar mit dereinhelligen Erklärung des Gr. Rathes, daß er zu Gleichheit derRechte in Stadt und Land zustimme und daß eine Volksversamm-lung zu weiterer Bestimmung der Verfassung einberufen werden solle,
0 In dem Berichte des Direktoriums an den Rath der 500 vom 17. Plu-viose ist in der That von dem heimlichen Angriff eines Postens der Bernertruppendie Rede. (Archiv f. Schweizergesch. XII, 456.)