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Eingeschlossen in Metz.
Auf dem Thurm der Cathedrale.
Ich war der einzige Civilist in Metz, der Erlaubniß hatte den Cathe-dralenlhurm zu besteigen, wo sich allerhand Ferngläser und außerdem eineTelegraphenstation befand, die mit dem Commandanten (Coffiniöres), mit demGeneral sn ebsk (Bazaine) und mit jedem der Forts directe Verbindungunterhielt. Meine Erlebnisse hier waren mannigfach. Eines Tages, als wirwieder beobachteten, trat ein Generalstabs-Hauptmann von dem Fernglasezurück und rief mir zu: ,Mon Diou, die Preußen avanciren su ocllslon."— „Wo?" fragte ich. — „Dort", rief er und zeigte auf lange schwarze Linien,
die sich quer durch die Felder zogen. Ich sah nun durch das Glas und
sagte mit leise sarkastischem Anflug: „Ja, mein Capitain, es sind dieselben« Preußen, die Metz einschließen." — „Wie das?" — „Es sind lange Pappel-
^ schatten, die in Streifen sich über das Feld strecken." Er sah noch einmal
zu und sagte dann: „Sie huben Recht." Dies sprach sich aus und „losM oinbros ckos poupliors" wurden sprüchwörtlich, um anzudeuten, daß wirf nicht von einer wirklichen zahlreichen Armee, sondern nur von Schatten,
r von Gebilden unserer Phantasie umstellt wären. Wir schufen uns in unserer
Einbildung einen Feind, der thatsächlich nicht vorhanden war, oder wennvorhanden (was am Ende nicht ganz zu bestreiten war), doch so schwach, inso dünner Linie, daß es unmöglich schwer halten konnte, dies Blatt Papieran jeder beliebigen Stelle zu durchstoßen.
Geh' ich auf diesen Punkt ein wenig näher ein.
Der beständige Regen hatte die Felder selbst unpassirbar gemacht; sowar man preußischerseits auf die großen Straßen angewiesen und an diesenStraßen hin stand man in langen Strahlen, aber das zwischen gelegene,halbe Meilen breite Terrain war so gut wie unbesetzt. Die Armee hatteden besten Willen den Vorstoß zu wagen, von dem man sich das Beste ver-sprach; eben so war die Stadt gewillt ihr Schicksal zu tragen, worin immeres bestehen mochte. Aber so bereitwillig die Stadt und die Truppen warenein Aeußerstes zu wagen, so abgeneigt war Bazaine. Er wollte sich nichtcompromittiren, keine Chancen aus der Hand geben; seine ganze Polilik hieß„abwarten". Wenn ein starkes republikanisches Gouvernement zu Standekam, oder wenn Preußen alle Anstalteu traf, ein solches republikanischesGouvernement nicht aufkommen zu lassen, so konnte er mit solchem Gouver-nement oder vielleicht auch mit den Preußen pactiren, je nachdem das eineoder das andere die größeren Vortheile versprach. (Es scheint, daß er, Mr.
- Robinson, an dieser Stelle ein solches Pactiren mit Preußen meint, das ihn,den Marschall, etwa zum Protector gemacht haben würde. Die ganzeStelle ist absichtlich dunkel gehalten.) Er hatte Lust den Glamis, denCawdor zu spielen, jedenfalls mehr sich selbst als seinem Lande zu dienen.Derselbe Ehrgeiz, den er schon in Mexiko bewiesen hatte, trat jetzt wiedersichtbarlich hervor. Nur so wird diese „Belagerung von Metz" erklärlich, nurso läßt es sich begreifen, daß diese schöne französische Cavallerie schließlichzu nichts verwendet wurde, als ihre Pferde aufzuzehren oder aufzehren zulassen. —
Unsere Luftballons.
Seit Mitte August war man in Metz von dem Verkehr mit derWelt abgeschnitten, keine Nachrichten, keine Briefe, keine Journale; eben sounmöglich war es, Nachrichten na^h außen hin gelangen zu lassen. Der
Der Salon 1874. t9