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Burgen und Fabriken.
wälzte der Teufel iu's flache Land. Sie sah mit Todesangst, wie sich dieblauen Ketten dehnten — wie mächtige Erdkolofse, starre Felsen, dunkleWaldeskuppen ihrem Hause immer näher rückten, sie blickte zuletztverzweifelt auf nur noch eine leere Stelle in der langen Reihe und dahörte sie den donnerähnlichen Ton, mit dem auch der letzte Berg vom Fürstender Finsterniß herangerollt wurde! — Sie rang die Hände, weinte, schluchzte— betete — da erglänzte der erste Sonnenstrahl des neuen Tages — dakrähte der Hahn, die Frist war um und der Teufel gefesselt durch den Herr-scher des Lichts. Der Berg blieb liegen bei Herford — bei Hausberge aberöffnet sich bis heut' die weltberühmte Schlucht, durch welche die Weser fließt:die korta 'Westxllaliea.
Nicht nur dem Teufel gaben die Sagen der rothen Erde ein Reich, nochmehr den Wichtelweibchen und Ulken, den neckischen Kobolden des Moorsund des Haidelandes. Auch schattenhafte Gestalten sieht man über die ödenFlächen gleiten, das Nebelbild eines Fährmanns in luftigem Nachen. Ersucht an der Stelle, wo sonst ein See war und er von Ufer zu Ufer subr,die Geliebte, die dort einst ertrank.
Aber damit ist der Zauber der rothen Erde nicht erschöpft. Wo abge-storbene Weiden einen schlammigen Weiler im dunklen Moor umstehen, woalte Buchen sich um einen grünen Ringwall ziehen oder mächtige Eichen ihreZweige über Wald und Wiesenplan verschlingen, da findet der Volksgeistnoch immer jene uralten Plätze, wo die Germanen bei Vollmond ihre eigen-artigen Berathungen in Gegenwart der Priester hielten, wo die Billigungeiner vorgetragenen Sache dadurch zu erkennen gegeben wurde, daß mandie Framen — eine Art eiserner Piken — an einander schlug und Mißbilli-gung hingegen durch Gemurmel. Die Justiz war bei ihnen eine sehr schnelleund einen Uebelthäter versenkte man in den tiefen Schlamm eines solchenWeihers im Moor. Auch die heilige Vehme hielt auf rother Erde an der-artigen Stätten ihre geheimen Sitzungen. Sie übte von dw aus die Schreckendes Blutbanns und sandte ihre Boten mit den ominösen drei Spänen zu denAngeklagten oder Verurtheilten.
Aber aus der Burg der Grafen von Ravensberg wurde man oft sehrgewaltsam zurückgezogen in die Gegenwart. Im äußern Wallgraben derBurg unterhalb des Portals und der Brücke hatten nämlich stets zweikämpfende Parteien ihren Standpunkt und diese Kämpfe waren meist sehrhart, vielleicht erschütternder als oi-cksvant der Schlachtenlärm unter Welsenund Ghibellinen. Die feindlich mit einander Ringenden waren nämlich diejungen Trommler und Trompeter des fünfzehnten Regiments, die alle mili-tairischen Signale an dem romantisch-stillen Platze einübten. Diese trommel-ten zum Angriff — jene bliesen zum Rückzug; die Einen schlugen Reveillemit Berserkerwuth und die Anderen bearbeiteten den Zapfenstreich. Nichtselten war's ein Höllenspectakel, bei dem — wie der Westphale sagt — „dieRomantik flöten ging!"
Verstummten aber die Dissonanzen bei eintretender Abenddämmerung,wie köstlich war's dann auf der stillen, einsamen Burg! Der nahe Wald unddie Berge lagen meist schon tief im Schatten, wenn durch die weite Ebenenoch der Sonne letzte Strahlen glänzten, hier das dunkle Moor in einenGluthstrom tauchend, dort die weißen Bleichen überleuchtend, daß sie wieSeen schimmerten. Die wogenden Saaten, das grünende Feld, der nebel-durchwobene Wald, die blüthenreichen Hecken — in bunter, reicher Mosaik