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Band I. 1874.
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Sub Rosa.

die Hand reichte. In der mörderischen Schlacht von Malplaquet schwerverwundet, fand er auf einem flandrischen Edelhof zarte Pflege undspäter seine Gattin. Nach dem Rastatter Friedensschluß nahm er seinenAbschied und lebte auf dem Jägerschlößchen in ländlicher Zurückgezogen-heit seiner zahlreichen Familie und der Jagd. Sein unabhängigerGeist verzichtete gern auf die Hofgunst, als mit Kurfürst Karl Philippund seinen Mönchen ein unduldsamer Geist und der konfessionelle Un-friede in der schönen Pfalz einzog. Er hatte manchen derben Fluchauf die Wirthschaft in Mannheim, und als die Kuppeln der Jesuiten-kirche am Rhein aufstiegen, war ihm die Aussicht dahin völlig ver-dorben.

Der Obristwachtmeister war ein Mann von mittlerer Größe, ge-drungenem Körperbau und energischen Gesichtszügen. Der Ausdruckderselben zeugte für seinen Feuergeist, der ihm auch im Alter noch blieb.Im Mittelsaal des obern Stockwerks im Jägerschlößchen hängt seinPortrait, das ausdrucksvollste von allen Ahnenbildern daselbst. Nunwar ihm seine treue Gattin in's Grab vorangegangen, zwei seinerSöhne standen in niederländischen Kriegsdiensten, drei Töchter warenglücklich verheirathet und nur die älteste noch daheim, eine geistig etwasbeschränkte, in ihrer Entwickelung zurückgebliebene, einfältige Person.Unter diesen Umständen war es dem Obristwachtmeister Bedürfniß, daßsein Erstgeborener, Wilhelm von Wollberg, mit seiner jungen FamilieWohnsitz im Jägerschlößchen nahm. 'Die kleinen Junker lernten auf desGroßvaters Knieen und bald auf dessen Pferden die Reitpeitsche hand-haben und erfüllten Schloß und Garten mit ihren lärmenden Spielen.

Nun hatte sich aber gerade damals eine wunderliche Veränderungmit Elotilde, der ältesten, unverheirateten Tochter des Obristwacht-meisters ergeben. Von Jugend auf schwach an Körper und Geist, hattesie von je besonders' auch eine krankhafte Scheu vor Männern gezeigtund niemals irgend welche Hinneigung zu einem solchen verrathen. Dasie das fünfunddreißigste Jahr schon erreicht hatte, kam ihre Verhei-ratung, als die unwahrscheinlichste Sache von der Welt, gar nicht mehrin Betracht. Die Familie war darin so überzeugt und sicher, daß mansie gehen ließ und wenig auf ihr Thun achtete, als sie mit einem Malfleißig Spaziergänge nach dem Heidenbühl und in den Busch machte,der damals noch den jetzigen Weinberg umschloß. Während sie sonstkeinerlei Theilnahme an den Lustbarkeiten der Dorfjugend bewiesenhatte, stand sie jetzt gern an der Linde und sah dem Tanz zu oder schlichmit den Mägden nach dem Johannisseuer, über welches Abends diejungen Bursche und Dirnen sprangen. Dabei blühte sie auf, wie einePfingstrose und ihre stieren Augen gewannen Ausdruck und Glanz, jaGluth, wenn sie nach dem geringen Hause hinüber schaute, in welchemdie Hirtenfamilie wohnte.

Diese war vor mehreren Jahren in's Dorf gezogen, man wußtenicht recht, woher — die Leute sagten, aus einem Gebirgsort hinterKlingenmünster, der in der Franzosenzeit wieder in den alten Glauben