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Zwei Büsten.
gewarnt hatten. Ich habe angefangen mich selbst zu prüfen und binmir vorgekommen wie eine leichtfertige, unüberlegte Verbrecherin. Undich habe endlich Alles bedacht, was Du mir gesprochen hast. Du hattestmir immer mit Begeisterung von einer schönen, geistreichen Freundin er-zählt, mit der Du fast täglich zusammen seiest und der Du unendlich vielzu verdanken habest. — Nun ist es mir ganz klar geworden — Du
liebst nicht mich, Du liebst diese Andere.-Es bleibt mir nichts
übrig, als Dich zu bitten, mich zu verlassen und Dein Glück da zusuchen, wo Du es zu finden meinst. Ich sehe ja ein, daß Du mit mirnur noch verkehrst, weil Du Dich an mich gebunden glaubst —weil ich DirBedauern einflöße. Ich gebe Dich frei. Vielleicht zögerst Du noch, weilDu der Ansicht bist, ich könne nicht ohne Dich leben, ich würde elendwerden. Das ist ja möglich. Aber ich will's versuchen — vielleichtfinde ich meinen Frohsinn wieder, vielleicht werde ich noch einmal glück-lich — ich bin ja die Erste nicht, die so etwas überlebt — und wennnicht, so bist Du wenigstens glücklich."
„O, Sie hätten die Stimme hören müssen, die dumpfe, zitterndeStimme, mit der sie das sagte. Sie hätten dieses Engelsgesicht (sehenmüssen in seinem verhehlten, zuckenden Weh. Und Sie hätten die ganzehochaufgerichtete Gestalt und die (erhobene Stirn sehen müssen — wieeine Königin, die ihr Reich und ihr Leben verschenkt. Mein Herz löstesich auf in Liebe und Mitleid. — Du irrst, rief ich. Die Leute, die überuns in ihrer rohen, niedrigen Weise gesprochen haben, sind Thoren. Dubist ein reiner, makelloser Engel und ich, ich liebe Dich so heiß und treu,wie es meine Seele fähig ist, die kein Falsch und keinen Leichtsinn kennt.Und Du irrst Dich auch über meine Freundin. Auch sie ist ohne Tadelund ich verehre und liebe sie wie eine Heilige. Sie kennt Dich durchmich und sie segnet meine Liebe zu Dir. — Ich umarmte und küßte sieinbrünstig und an meiner Brust zerschmolz ihr armes, erstarrtes Herz,ihr Schmerz löste sich in einen Thränenstrom und ihre weinenden Augenverklärten sich zu rührender Glückseligkeit. — „Nein", rief ich aus, „niewieder sollst Du an meiner Liebe zweifeln. Wenn es ein Mittel giebt.Dich immer gläubig und glücklich zu machen, so werde ich es finden undnichts soll mich hindern, das zu thun, was ich für recht halte."
„Wir trennten uns in der beseligenden Stimmung, die einst unsererstes Begegnen in uns erweckt. Ich suchte die Einsamkeit, um überAlles mit mir in's Klare zu kommen, um Entschluß und Willen zu fin-den. Der Kampf dauerte nicht lange. Verlassen durfte ich sie nicht — sie,die mir die Frische des Geistes, die Freude am Dasein wiedergegeben,sie, die mich liebte. Verlassen durfte ich sie nicht, denn sie würde verzwei-feln, nicht an der Treue eines Mannes, nein, an der Treue selbst; siewürde verzweifeln an Allem, was sie in und mit mir empfunden, an derSchönheit, der Güte, der Weisheit selbst — wenn ich mich selbst wider-legen wollte. Alles würde nur Schall und Name für sie werden. Annichts mehr könnte sie glauben, an nichts sich anklammern, unrettbarsänke sie zurück in das Chaos, aus dem ich ihre Seele zum Lichte geru-