54 Buch H. Zeiten dc- Ursprung- freier Verfassungen
und Priesterinnen) durfte über sich und sein Vermögen verfügen,ehe er dem Areopagus und Rath über seine geführte Verwaltungeinen genugthuenden Bericht erstattet. Die Thesmotheten mußtenjährlich einmal in dem Gesetzbuche selbst untersuchen: ob nichts Wider-sprechendes, ob nicht über einerlei Sache ein zweifaches Gesetz sicheingeschlichen, ob nichts Veraltertes darin sey?
Die gesetzgebende Macht kam nur Bürgern zu. Bei Lebens-strafe durste kein Ausländer, eben so wenig ein wegen Feigheit, oderSittenverwilderung, oder gewinnsüchtiger Prostitution seines Körpersverurtheilter Mann in der Gemeinde erscheinen.
Um Bürger zu werden, wurden 6000 Stimmen erfordert;hierauf, und wenn auch einer viel mehr gehabt hätte, mußte er vonden Richtern geprüft werden; er selbst, sein Lebenlang, vermochtenicht Priester oder Archon zu seyn.
Bekannt ist der Ostracismus, wodurch vermittelst einer AnzahlStimmen ein mächtiger Bürger (wie auch zu Argos dieses gebräuch-lich war) auf zehn Jahre der Stadt verwiesen werden konnte, ohnedaß er eines Verbrechens angeklagt, oder ihm erlaubt wurde, sichzu vertheidigen. Dieses gegen Männer, die gewaltiger wurden alsdie Gesetze, eingeführte Verfahren war oft ein verderbliches Werkzeugder Parteiführer; oft wünschten gute Bürger diese Einrichtung denFeinden Athens. Der durch sie begünstigte Parteigeist, die dema-gogischen Künste, deren auch edle Männer zur Selbsterhaltung be-durften, waren Hauptursachen des Falls dieser Republik. DasEinige, was man für den Ostracismus sagen könnte, war, daßbei der Leichtigkeit mit welcher große Bürger Unterdrücker wurden,dieses ehrenhafte Unrecht, welches einige unschuldig für eine Zeitlanglitten, ein geringeres Uebel schien, als die Gefahr der ganzen Stadtvon ihresgleichen; in Collisionsfällen muß das Interesse der geringernZahl dem gemeinvaterländischen weichen.
So lang die Sitten gut blieben, waren die schlimmen Folgen