234 Buch VII. DaS röm. Reich unter Kaisern bis 28L u. Chr
nehmen. Augustus lernte von ihm populär und menschlich seyn;Mäcenas umgab ihn mit den aufgeklärtesten Männern seiner Zeit;er erfüllte ihn mit einer edlen Beeiferung nach allem Großen undSchönen, so daß Augustus Vater und Wohlthäter Roms wirklichseyn, besonders aber als solcher durchaus erscheinen wollte, undalles, was die ungewohnte Gewalt Verhaßtes haben mochte, ebenso sorgfältig verbarg, als ein gemeindenkender Fürst es auffallendgemacht haben würde.
So strafte der Senat nach den Gesetzen den Egnatius undMuräna, welche die Thorheit gehabt, wider Augustus eine Ver-schwörung anzurichten. Er selber schien sich zu vergessen. Daß erHerr genannt würde, war auch seinen Vertrautesten (Augustuskannte das Vergnügen Freunde zu haben) verboten; er war janur ein von freien Männern auf zehn Jahre zu Besorgung deröffentlichen Sicherheit gewählter Fürst. In eben diesem Sinn warihm lieb, wenn das Volk die, welche er zu Würden und Aemternempfahl, zuweilen überging. Daß Pollio und andere mächtigeMänner im Senat mit scheinbarer Freiheit redeten, war ihm recht.Er nahm dem Livius nicht übel, daß er in seiner Geschichte diePompejanische Partei zu begünstigen schien.
In seiner häuslichen Einrichtung hatte er nichts, wodurch ersich von reichen Senatoren sonderlich ausgezeichnet hätte. Nicht nurliebte er gute Gesellschaft, sondern er gab sich Mühe seine eigenenTalente in immerwährender Uebung zu halten: täglich Pflegte er zulesen und irgend einen Aufsatz zu machen. Sitten der alten Republikherrschten in seinem äußerlichen Anstand; seine Tafel war mäßig.Mächtigere Neigungen hatte er zwar, von deren Befriedigung selbstPolitik nicht vermochte ihn abzuhalten, doch dieses blieb unter weni-gen; Publicität in solchen Sachen suchte er auf alle Weise zu ver-meiden. Sein ganzes Ansehen verwendete er zu Hemmung derWirkungen des Beispiels; er sprach im Senat über Sittenverdorbenheit