264 Buch VIII. Schilderung deS alten römischen Ncichs.
Dalmatien stieg aus dem wilderen Leben empor. Handel wurdemit Produkten der Viehzucht, mit Holz und Eisen getrieben; be-trächtliche Städte blüheten auf, und bald machten der Palast unddie Gärten Diokletians, in deren Umfang nun Spalatro beinaheganz liegt, aus Salona eines der prächtigsten Orte der Welt: nochzeugen die Trümmer von altem Glanz, und wie der Geschmack inder Anordnung sich noch nicht verloren hatte.
Italien nach Virgilins und Plinius zu loben, wäre eine nn-nöthige Kühnheit. Die Natur schien dieses Land bestimmt zu habenSitz des Weltreichs zu seyn : es ließ sich so gut erhalten, von Küstenaus, die mit allen Welttheilen leichte Verbindung öffneten, indessenMeere und Alpen Vormauern der Sicherheit waren. Alle Unter-nehmungen der Politik und Handelschaft wurden durch die Häfenvon Ostia, Ravenna, Misenum erleichtert. Eine durch Mannich-faltigkeiten des Erdreichs veranlaßte Lnftverschiedenheit beförderte denWuchs und die Zucht aller zur Erhaltung und Verannehmlichungdes Lebens dienlichen Pflanzen und Thiere, die lange Kette derApennine gab jeder Gegend die Vortheile der Berge und Ebenen.Die Flüsse begünstigte die durch die schmale Form des Landes ver-kürzte Ansfnhr. Fast mitten in der gesitteten Welt gelegen, ver-mochte Italien bequem über alle Völker zu wachen, und plötzlichenGefahren unverzüglich vorzubeugen. Mehrere Städte wetteiferten umden Rang der Residenz; Paläste, der Kaiser würdig, hatte Mailandund Ravenna, wie Rom; Aquileja war reich, stark, Reiz undSchutzwehr für und gegen die Barbaren. In langem Frieden hattendie Ligurier sich von ihrem rauhen Gebirge heruntergezogen, und imWest und Ost ihres Genua die Küsten bebaut. Wetteifernd verherr-lichten die Kaiser an dem adriatischen Meere Ancona, Ariminumund andere Landstädte. Auf der untern Küste schien Campanien,seit der Vesuvius brannte, fruchtreicher als ehemals; der Flor vonCapua, Nola, Neapolis tröstete über die unter Asche und Lava