102 Buch XXII. Frankreichs Uebergewicht in Europa.
Zur selbigen Zeit gewann der piemontesische StaatsministerMarchese Ormea die Cardinäle Fini und Alessandro Albani (denFreund schöner Künste), daß sie durch den geistreichen PrälatenLamberüni den Papst bewogen, dem König von Sardinien die Be-nennung der vornehmsten Pfründen zu gestatten. Ein für die aposto-lische Kammer so nachtheiliges Concordat, daß die Kanzlei Anstandnahm, die Expedition auszufertigen.
Eben auch Prosper Lambertini, welchem seine Gelehrsamkeitund noch weit mehr seine Lebensweisheit besonderes Ansehen gab,vermittelte mit den neuen Besitzern Siciliens den Streit über dieMonarchierechte auf eine dem römischen Hofe Vortheilhafte Weise:indem das sicilianische Tribunal das Recht aufgab, Notiz zu nehmenvon der in Klöstern (über Verbrechen von keiner öffentlichen Aerger-niß) ferners zu übenden, geheimen Criminaljustiz. Lambertinierwarb durch Obiges die Gunst eines Hofs, durch dieses gefiel erin Rom; der Menschheit war der sicilianische Vergleich nicht ebenVortheilhaft: Parteigeist kann das Leben eines harmlosen Mönchsschauderhaft unglücklich machen, ohne daß Rettung wäre.
Benedictus XIII canonisirte, ohne zu wissen, was er eigent-lich that, Gregorius VII. Die meisten Kirchen erkannten diesenHeiligen nicht; fein Officium wurde in Frankreich durch den Henkerverbrannt.
Der Papst Clemens XII. Corsini untersuchte und strafte die* Handlungen der Günstlinge seines Vorfahren. Er selbst, meist krankund blind, sorgte hauptsächlich für die Bereicherung seines Hauses,und soll ihm ein Einkommen von 120,000 Scudi gemacht haben.
Ueberhaupt blieb Rom gegen Schwache fest auf den vorigenAnsprüchen, erhielt sie gegen Mächtigere bestmöglichst, und vergaß,was gar nicht mehr haltbar schien.