176 Buch XXIII. Theresia, Friedrich und Nordamerika.
verwechselten etwa das Wohl der Geschäfte mit den Wünschen ihrerFreunde, und erlaubten sich in Staatssachen, was ihnen im Privat-». Chr. leben unerlaubt geschienen hätte. Demnach ist schwer zu sagen, ob1756. die einst streng bestraften Reichsräthe wegen schlechter Regierung oderwegen der Ohnmacht ihrer Partei gelitten.
Die Geistlichkeit wurde nachmals durch die Abschaffung einesZehentens beleidigt, welchen sie bezog, seit, vor Einführung ordent-licher Wirthshäuser, sie die Gastfreiheit übte. Es wurden harteAufwandsgesetze gemacht, und ihre Vollziehung oft verhaßt; dieGehalte vermindert; denen, welche etwa außer Stand waren dieAbgaben zu entrichten, ihr Vieh und die Werkzeuge ihrer Gewerbegenommen: unter dem Vorwande Verdachtes wegen SchleichhandelHäuser durchsucht, Widersetzlichkeit mit öffentlichem Staupbesen, unddie Schuld selbst an der Ehre, ja mit dem Tod bestraft.
Als König Adolf Friedrich die Stimme des Mißvergnügensvon allen Seiten vernahm, begehrte er die Zusammenberufung einesReichstages; der Reichsrath verweigerte sie. Da legte der Königdie Regierung nieder, forderte die Sigille, und ließ durch seinenSohn allen Kanzleien andeuten, daß nichts mehr unter seinemNamen expedirt werden dürfe. Als die Reichsräthe, in der Gefahrgroßer Bewegungen, den Generalen befahlen die Wachen zu ver-doppeln, weigerten sich diese die einseitigen Befehle zu ehren; dasFinanzdepartement wollte auch den Sold der Garnison nicht erhöhen,wenn der König es nicht gebiete; alle Collegien traten außer Activität.Da begab sich der Statthalter und die Obrigkeit Stockholms in denSenat, ihm zu erklären, daß der dritte Stand sich versammelnwerde. Der Senat wurde hiedurch genöthiget einen Reichstag zubewilligen. Am neunten Tage der Anarchie übemahm der Königdie Regierung wieder.
Der außerordentliche Reichstag wurde zu Npköping versam-melt. Eine geheime Deputation entwarf Klagartikel. Der ganze