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der Kaiser nicht ewig von einem solchen Feldherrn, der so ziem»sich sein Oberherr war, abhängig seyn wollte, ist ganz in derOrdnung; abdanken konnte man ihn nicht, ohne die äussersteGefahr, denn er war zu hoch gestiegen; vor Gericht stellen, wieetliche Gimpel meinen, noch viel weniger; »denn,« sagt schon einalter weiser Mann, »ich will nicht mit dem prozessiren, der30 Regimenter kommandirt.« (Xolo «um eo g'urs äiseepture,nui triK'inta kabet le^iones.) Also ging es so, wie es ging.Daß Wallenftein unschuldig war, oder bestimmter gesprochen,daß er die verrätherischen Plane, welche man zu Anfang desJahres 1634 ihm unterstellte, nicht hegte, beweist die verloreneMühe, welche sich der Wiener Hof gab, um den Mord vor derWelt zu rechtfertigen. Denn alle Behauptungen der ausgespreng-ten Schutzschriften sind durch Aktenstücke widerlegt. Eben so sehrspricht dafür, daß man nach seinem Tode, namentlich in Be-zug auf Sachsen, ganz in den von ihm angezeigten Fußtapfcnfortwandelte.
Er hatte also zugestandener Maßen die Sache recht gemacht.Ich will glauben, daß mancher, der für seinen Sturz stimmte,ihn später gerne mit den Händen aus der Erde herausgegrabenhätte; der edle Fürst von Eggenberg, ein treuer Diener desKaisers, und der ins Feuer hineinsah, grämte sich über Wallen-steins Schicksal zu Tode. Der Erfolg hat bald bewiesen,daß W »llenstein noch auf mehrere Jahre der Mann derNothwendigkeit gewesen wäre. Nach seinem Hintritt artete der30jährige Krieg in eine scheußliche Balgerei aus, und zulezt ver-lor der Kaiser dennoch die Parthei. Es muß dem Geschichtschrei-ber, der in die Schachten der Vorzeit hinabsteigt, erlaubt seyn,nicht nach den Verhältnissen der Gegenwart, sondern im Sinnehingeschwundener Jahrhunderte zu reden. Nun so sey es offenherausgesagt: der westphälische Friede war der schmählichste, ver-haßteste Vertrag, die Besiegelung unserer Unmacht, unserer Ernie-drigung. Die Guelfen gewannen, Bayern die Oberpfalz, SachsenBrandenburg, die Kleineren andere Besitzungen. Der Kaiser ver-lor die Lausitz. Das war noch das Geringste. Teutschland behieltnur dem Namen, nicht der That nach ein Oberhaupt. Die Ver-wirrung wurde gesetzlich, eine Faust durch die andere im Innerngeknebelt, dem Ausland Thür und Angel geöffnet. Nichts bliebvom Alten, als das Schlechteste, die Kaiserwahl, damit man jaPenelopes Gewebe, das bei Tage (während der Regierungeines kräftigen Oberhaupts) gesponnen war, bei Nacht (währenddes Zwifchenreichs durch Wahlkapitulationen) wieder zerreißenkönne. Eine polnische Verfassung war es, der die Teutschendamals nachstrebten, dafür hatten sie mit Recht auch ein polni-sches Schicksal.
Der westphälische Frieden ist unsere erste Theilung, Pommernwurde von Schweden, das Elsaß und bald noch mehr Provinzenvon Frankreich abgerissen. Sollen Teutsche diesen Frieden nicht