Buch 
Staatsgeschichte von einem Jahrhundert : worinnen sich, nach ihrer Ordnung und verschiedenen Verhältnissen, das Interesse, die Absichten, und das Verhalten der vornehmsten Mächte von Europa seit dem westphälischen Frieden 1643, bis nach dem geschlossenen aachener Frieden im Jahr 1748 angezeiget finden / [Jean Henri Maubert de Gouvest] ; aus dem Französischen mit fleissiger Prüfung übersetzt [v. Johann Gottfried Bernhold]
Entstehung
JPEG-Download
 

Jahrhundert, IX. Capitel. z 29

Frankreich, welches den Anschlag machte, die Erz-herzoge zu verhindern, daß sie nicht mehr auf den kaiser-lichen Thron kommen sollten , wünschete, daß der Königvon Sg)weden, der diesem Prinzen eben so wenig gewo-gen war , sich ganz und gar der teutschen Sachen anneh-men sollte. Diese Krone befürchtete eben so sehr dasGlück, welches seinen Ehrgeitz genahret und unterhaltenhätte, als die Unbeständigkeit des Glückes, wodurch ergeschwächet worden wäre. Wie sie sich der Verwirrungerinnerte, welche der Stolz Gustav Adolphs dem Cardi-nal von Richelieu verursacht hatte, so sahe sie mit Ver-gnügen einen Krieg und Eifersucht, welche die Friedens-stiftung in Norden sehr unsicher machte. Aber zu ebender Zeit, da sie sich vorsetzte, Carl Gustaven wegen sei-ner Machbaren in einiger Unruhe zu lassen, welche ihn inder Abhängigkeit gegen seine Alliirten erhielte, wollte sieihm darzu verhelfen, daß er wenigstens sich den Scheineiner Überlegenheit gegen die erstern geben könnte, wel-che fähig wäre, ihn so beherzt zu machen, daß er sich vondem Mittelpunkte seiner ränder entfernte. Der CardinalMazarin versprach ihm grosse Hülfsgelder, und zahlteihm nur mittelmäßige aus; damit, wenn das Verlangennach dem teutschen Kriege immer bey ihm zunähme, daindessen die Kriegsverrichtungen in Polen schläfriger zuwerden anfiengen, die Ermüdung beiden Theilen den Frie-den wünschen lassen möchte.

§. 6. Staatskunst und Unterhandlungen verschie-

dener Mächte, währenden polnischen Krieges.

Der Churfürst von Brandenburg, welchem die Ge-fahr am nächsten drohete, war der erste, sich vorzusehen.Ob er gleich der republikanischen Parthey in Holland, we-gen seiner Verbindungen mit dem oranischen Hauße, ver-haßt war, so suchte er doch die Allianz mit der Republik.Carl Gustav ließ ihm dieselbe von seiner Seite anbieten,aber unter solchen Bedingungen, welche ihm dieselbe we,

L 5 der