4l2 Staatsgeschr'chte von einem
wieder von den Erschütterungen erholet, welche das hoheAnsehen seines Herrn Vaters auszuhalten gehabt hatte.Seine natürliche Fähigkeit schiene den wichtigen Staats-angelegenheiten nicht völlig gewachsen zu seyn; und seineso wohl ausgebuchte und gegründete Ehrbegierde, welcheso standhaft unterstützet ward, welche in der Folgezeit demEhrgeitz Ludwig des XIV so kräftigen Einhalt gethan,war nicht sowohl seine Leidenschaft, als vielmehr seinesStaatsraths; die französischen Staatsmänner^ würdenhierinnen vollkommen haben vorbeugen können, wann siedurch einen äußerlichen Schein einer grossen Mäßigungdas kaiserliche Ministerium um die Hoffnung gebrachthatten, den teutschen Staatskörper in seine Absichten zu,ziehen. Vielleicht würde sich die Regierung des großenLeopolds blos durch seine ungarischen Kriege berühmt ge-macht haben,wannLudwig derXIVuur allgemach seineGrän-zen rund zu machen getrachtet, und seinen Eroberungsgeist,welcher alle Fürsten des Reichs in Aufmersamkeit undBesorgnis versetzet, mehr verborgen gehalten hätte.
Die Erlangung der Grafschaft Roußillon öffnete denfranzösischen Armeen den Weg mitten in Spamen; unddie Erschöpftmg dieser grossen Monarchie versicherte dieLeichtigkeit und den glücklichen Fortgang bey einem Ein-bruch in dieses Reich. Philip der IV war alt und schwach.Sein Erbe war ein Kind von schwächlicher Gesundheit.Die Königinn, seine Mutter, welche die Regierung wäh-rend der Minderjährigkeit führen sollte, war eine teutschePrinzeßinn, und einedesto größere Feindinn von dem Ge-schmack und Sitten der Nation, in welche sie durch ihreVermählung war übergesetzet worden, je mehr sie gezwun-gen gewesen, während den Lebzeiten ihres Gemahls, ihrihren natürlichen Geschmack und Gebrauch ihres Vater-landes aufzuopfern. Sie hatte aus Teutschland vieleHausbedienten mit nach Spanien geführet, welche manihr beyzubehalten, unverständiger Weise eingestanden hat-te. Diese wurden ihre Vertrauten, welche als übermü-thige und unersättliche Günstlinge zu vermuthen waren,