Buch 
Staatsgeschichte von einem Jahrhundert : worinnen sich, nach ihrer Ordnung und verschiedenen Verhältnissen, das Interesse, die Absichten, und das Verhalten der vornehmsten Mächte von Europa seit dem westphälischen Frieden 1643, bis nach dem geschlossenen aachener Frieden im Jahr 1748 angezeiget finden / [Jean Henri Maubert de Gouvest] ; aus dem Französischen mit fleissiger Prüfung übersetzt [v. Johann Gottfried Bernhold]
Entstehung
JPEG-Download
 

430 Staatsgeschichte von einem

lik, Ein oder den Andern von beiden Königen zum Be-schützer oder zum Feind zu haben. Ludwig der XIV undCarl der II wollten an das Commercium tasten. DesLetztem Seemacht war in einem blühenden Zustande, unddas Genie zur Handelschaft war seinen Unterthanen fastnatürlich. Die Engelländer befanden sich anfangs indiesem Stücke in einer Gleichheit mit den Holländern;aber der erste Schritt, den sie zur Beförderung einer Ver-bindung würden gethan haben, der sollte ihnen die Ueber-legenheit verschaffen. Ludwig der XIV hingegen hattenoch kein beträchtliches Seewesen: seine Unterthanen hat-ten noch nicht einmal die ersten Anfangsgründe zur Han-delfchaft innen; und man hatte Grund zu glauben, daßder Geschmack am Seewesen sich nicht bey einem Volkevestsetzen wurde, welches man bis dahin so wenig zu einergroßen Handelschast geschickt achtete daß ein Mini-ster, dessen größte Beschäftigung doch allezeit die Verbes-serung des Finanzwesens gewesen, behauptet hatte, daßman, zum Besten des Staats, die Nation verhindernsollte, die Neigung dazu anzunehmen. Wann die Re-publik also Gefahr laufen muste, sich Gesellen und Mit-buhler anzunehmen, so wagte sie am wenigsten, wann siehiennnen den Franzosen den Vorzug gab. Wann diesel-be sich nach der Vernunft richtete in der Wahl, welchenvon beiden Königen sie lieber zum Feind haben wollte; sohatte sie nicht lange zwischen Ludwig dem XIV , der siemit hundert tausend Mann in ihren VertheidigungslosenProvinzen anfallen konnte, und Carl dem II, der ibr nichtänderst als auf der See schaden konnte, auf welcher sieihm gleich starke Kräfte entgegen zu stellen hatte, anzu-stehen. In Betrachtung also des damaligen Inte»esse, wählte van Witt in der That wohl.

Nach der Unterzeichnung der Allianz, muste die Re-publik ihre Furcht und Mißtrauen schweigen heißen; undalles Einwendens ungeachtet die Folgen, welche das ftan-

zösische

«/) tvlemoirer äe Lull)'.