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Staatsgeschichte von einem Jahrhundert : worinnen sich, nach ihrer Ordnung und verschiedenen Verhältnissen, das Interesse, die Absichten, und das Verhalten der vornehmsten Mächte von Europa seit dem westphälischen Frieden 1643, bis nach dem geschlossenen aachener Frieden im Jahr 1748 angezeiget finden / [Jean Henri Maubert de Gouvest] ; aus dem Französischen mit fleissiger Prüfung übersetzt [v. Johann Gottfried Bernhold]
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Jahrhundert, XI. Capitel. 4451

dadurch nicht hinters Licht geführet. Aber der Untergangseittrr Parthey, und die Erhebung des Prinzen vonLAa-nien waren unvermeidlich, wann die Republik nicht ohneUeberlegenheit des König Carls in Unterhandlungen trat.Er stellte sich demnach, als wann diese Kriegserklärungdas Maas seiner Wünsche erfüllet hätte. Da er einzigund alleine sich bey dem französischen Staatsrath durchein ausserordentliches, in die Allianz mit einem so grossenKönig gesetztes, Vertrauen Ehre erwerben wollte, ver-warf er mit vieler Geschicklichkeit alle furchtsame Anschlä-ge, von welchen er wohl einsähe, daß man sie ihme auskeiner andern Ursache gab, als um den Krieg in die Längehinaus zuziehen. Es war vergeblich, wann Estradesihn zurücke halten wollte, bald durch die Hoffnung von ei-ner französischen Hülfsflotte, bald durch die Furcht, esmöchte dieselbe von den Engellandern aufgefangen werden,wann die Vereinigung der Flotten verfehlet würde: derschlaue Republikaner hörte alles mit Höflichkeit an, undfolgte lediglich seinen eignen Gedanken, die sehr richtigwaren. Der Krieg wurde mit solcher Heftigkeit geführt,daß nichts anders als die Erschöpfung beider Partheyendemselben das Ende geben konnte; und da die grossenThaten, bey welchen die beiden Machte alle ihre Kräftenaneinander setzten, nicht vielfältig seyn konnten ohne ent-scheidend zu werden, so waren die häufigen Treffen daseinzige Mittel den Frieden zu beschleunigen. Ungeachtetder ernsthaften Mine, die Ludwig der XI V bey der Kriegs-ankündigung annahm, war doch die Folge davon von garschlechter Wirkung. Die Thaten seiner Unterthanen inAmerika giengen nicht weiter als auf die Verjagung derEngelländer aus ihrem Antheil an der St. ChristophsInsel; und auf die Wegnehmung zweyer kleiner antilli-schen Inseln, die noch Einöden waren. An statt des,zur Hülfe bestimmten, Geschwaders, welches man dieFlotte von Frankreich nannte, und welche um die Passa-ge aus der mittelländischen See in den Canal, handelte,erhielte der holländische Admiral kaum einen Brander.

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