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Staatsgeschichte von einem Jahrhundert : worinnen sich, nach ihrer Ordnung und verschiedenen Verhältnissen, das Interesse, die Absichten, und das Verhalten der vornehmsten Mächte von Europa seit dem westphälischen Frieden 1643, bis nach dem geschlossenen aachener Frieden im Jahr 1748 angezeiget finden / [Jean Henri Maubert de Gouvest] ; aus dem Französischen mit fleissiger Prüfung übersetzt [v. Johann Gottfried Bernhold]
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458 Staatsgeschichte von einem

durch nur geneigter, neuen Verführungen Gehör zu ge-ben. Die Republik war durch die Kriegskosten am Geldeerschöpft; und das ewige Edikt, welches schiene demHause Oranien alle Hoffnung abzuschneiden, machte dieseParthey zu allen Unternehmungen fähig, dieweil dersel-ben nichts weiter zu schonen übrig gelassen war. DieFürsten des Reichs, denen um nichts als der HolländerGeld zu thun war, würden ihre Ruhe eben so hoch an-gerechnet haben, als das Blut ihrer Unterthanen. DerChurfürst von Brandenburg wartete nur darauf, versuchtzu werden, um sich verführen zu lassen; und ausserdemkonnte'das ungestalte Wesen von alliirten Völkern sichnicht so geschwinde zusammen und in Ordnung fügen.Hundert tausend Franzosen sollten in den Niederlandenden Vortheil eines schnellen Ueberfalls haben; und nachallen Arten von Unglücken, würden dein Könige Ludwigdem XIV doch noch seine Ansprüche übrig geblieben seyn.Alles lud diesen Prinzen ein, sich nicht selbst zu verläug-nen, sondern standhaft in einem Vorfalle zu verharren,welcher auf das künftige die, von ganz Europa von ihmezu fassende, Meinung entscheiden sollte. Nichtsdestowe-niger ließ er seine Armee in ihren weitem Unternehmun-gen Halte machen; und zu der Zeit, in welcher e/ sicherseyn konnte, daß ihm alle Städte, vor welchen er sichwürde sehen lassen, die Thore öffnen würden, kehrte erheim nach Paris. Dieser schnelle Rückmarsch, den manfälschlich, durch die Satyrs, seiner Leidenschaft für dieMarquisin von Montespan zuschriebe, war die Frucht vonder Geschicklichkeit des Pensionarius, dessen großer Geistund Eigenschaften sich allererst von dem Interesse einerParthey, durch das ewige Edikt, los und frey gemachthatten.

tz. 4. Kluges Bezeigen des Pensionarius Johann

van Witt.

So groß der Verdruß des van Witt über die Nach-richt von dem Einbruch der französischen Armeen in Flan-dern