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Staatsgeschichte von einem Jahrhundert : worinnen sich, nach ihrer Ordnung und verschiedenen Verhältnissen, das Interesse, die Absichten, und das Verhalten der vornehmsten Mächte von Europa seit dem westphälischen Frieden 1643, bis nach dem geschlossenen aachener Frieden im Jahr 1748 angezeiget finden / [Jean Henri Maubert de Gouvest] ; aus dem Französischen mit fleissiger Prüfung übersetzt [v. Johann Gottfried Bernhold]
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472 Staatsgeschichte von einem

ropa war, über welche die andern Machte nicht eifersüch-tiger als über Porcugall gewesen wären. Mein diese glück-liche Beschaffenheit der Portugiesen veränderte sich ganzund gar / sobald die Nachfolge ihrer Könige war unter-brochen worden; sie waren sich nicht mehr selbst eigen,sondern in einer gleichen Verhältniß mit andern Natio-nen betrachtet.

Als Philip der II die Eroberung von Portugal! aus-geführet hatte / glaubte er / daß die spanische Monarchiezur allgemeinen Monarchie erwachsen würde / und daß erendlich den hohen Grad der Macht erlangt habe/dem übri-gen Europa die Fesseln anzulegen. Die Vereinigungder beiden Indien / und der Besitz der Handlung von dendrey größten Theilen der Welt/ versprachen ihn ganz un-erschöpfliche Reichthümer. Allein der Erfolg zeigte sichganz änderst. Der Haß der neuen Unterthanen gegenihre Ueberwinder machte / daß der größte Theil von die-sen unermeßlichen Besitzchümern ihren Werth verloren.Die portugiesischen Flaggen / die man mit den spanischensür einerley hielte / wurden von allen Feinden Spaniensverfolgt/ welche die Lockspeiße der Beute zu Errichtungeiner Seemacht angefrischet hatte. Die Engelländer be-reicherten sich durch deren Beraubung/ und die Holländerschlugen sich zu denselben; und die Beute setzte die Einenund die Andern in dem Stande/ Flotten auszurüsten/ wel-che die von Cadix und Lissabon ausgeloffenen Flotten auf-zufangen vermögend waren. Die Reichthümer von Asienund America wurden die Beuten der Freybeuter. Phi-lip der U wurde in seinen weitläuftigen Staaten angegrif-fen. Portugal! wurde nicht mehr von Spanien unter-schieden: es verlor seine besten Besißthümer in den bei-den Indien; und die Vertheidigung dessen / was ihnenübrig geblieben / wurde immer schwerer. Es theilte mitSpanien seine Erschöpfung / in welche daßelbe der un'ge-messene Ehrgeitz ihres gemeinschaftlichen Souvcrainsstürzte; und es hatte überdieses die zu grunderichtende

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