472 Staatsgeschichte von einem
ropa war, über welche die andern Machte nicht eifersüch-tiger als über Porcugall gewesen wären. Mein diese glück-liche Beschaffenheit der Portugiesen veränderte sich ganzund gar / sobald die Nachfolge ihrer Könige war unter-brochen worden; sie waren sich nicht mehr selbst eigen,sondern in einer gleichen Verhältniß mit andern Natio-nen betrachtet.
Als Philip der II die Eroberung von Portugal! aus-geführet hatte / glaubte er / daß die spanische Monarchiezur allgemeinen Monarchie erwachsen würde / und daß erendlich den hohen Grad der Macht erlangt habe/dem übri-gen Europa die Fesseln anzulegen. Die Vereinigungder beiden Indien / und der Besitz der Handlung von dendrey größten Theilen der Welt/ versprachen ihn ganz un-erschöpfliche Reichthümer. Allein der Erfolg zeigte sichganz änderst. Der Haß der neuen Unterthanen gegenihre Ueberwinder machte / daß der größte Theil von die-sen unermeßlichen Besitzchümern ihren Werth verloren.Die portugiesischen Flaggen / die man mit den spanischensür einerley hielte / wurden von allen Feinden Spaniensverfolgt/ welche die Lockspeiße der Beute zu Errichtungeiner Seemacht angefrischet hatte. Die Engelländer be-reicherten sich durch deren Beraubung/ und die Holländerschlugen sich zu denselben; und die Beute setzte die Einenund die Andern in dem Stande/ Flotten auszurüsten/ wel-che die von Cadix und Lissabon ausgeloffenen Flotten auf-zufangen vermögend waren. Die Reichthümer von Asienund America wurden die Beuten der Freybeuter. Phi-lip der U wurde in seinen weitläuftigen Staaten angegrif-fen. Portugal! wurde nicht mehr von Spanien unter-schieden: es verlor seine besten Besißthümer in den bei-den Indien; und die Vertheidigung dessen / was ihnenübrig geblieben / wurde immer schwerer. Es theilte mitSpanien seine Erschöpfung / in welche daßelbe der un'ge-messene Ehrgeitz ihres gemeinschaftlichen Souvcrainsstürzte; und es hatte überdieses die zu grunderichtende
Politik