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Staatsgeschichte von einem Jahrhundert : worinnen sich, nach ihrer Ordnung und verschiedenen Verhältnissen, das Interesse, die Absichten, und das Verhalten der vornehmsten Mächte von Europa seit dem westphälischen Frieden 1643, bis nach dem geschlossenen aachener Frieden im Jahr 1748 angezeiget finden / [Jean Henri Maubert de Gouvest] ; aus dem Französischen mit fleissiger Prüfung übersetzt [v. Johann Gottfried Bernhold]
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552 Staatsgeschichte von einem

gerechtigkeit des Spruchs gefastet, theil zu nehmen, zuveranlassen. Wahrend der Unterhaltung der beiden Bru-der, brachte der, von dein Richter abgefertigte, Ver-leumder , das Volk zum Auflauf. Er hatte die hitzigstenAnhänger der statthalterifchen Parthey zu seinen Gehül-fen , deren verschiedene sich unter die Menge des Volksmischten, und brachten demselben die eigentliche Absichtbey, welche ohne einen Aiiführer sollte ausgeführet unddas Trauerspiel bis an sein Ende gebracht werden. Die-jenigen , die sich nicht unter diese Rasende durch Hülfe ei-ner Verkleidung mischen konnten, schämten sich endlichnicht, ganz »«verholen dieselben anzuhetzen. Nachdemsich ein Lärmen von der Annäherung der zujammengerot-teken Bauern ausgebreitet hatte, so bedienten sich die un-würdigen Magistratspersonen dieses Zufalls, um die Reu-tergarde wegzubringen, welche die Empörten van dem Ge-fängnisse abhielten. Es waren einige darunter unver-schämt genug, dem Grafen von Tilly, der die Cavallerie-garde commandirte, schriftliche Ordre zuzuschicken, seinenPosten den Burgercompagnien zu überlassen. Als sich' dieser Officier gezwungen sahe zu gehorchen, hielt er diebeiden Brüder für verloren. In der That sprengten dieBürger, die die Verwahrung des Gefängnisses auf sichgenommen hatten, daßelbe selbsten auf, wobey ihr Haupt-mann voran war - - - Doch dieser erschreckliche Auftrittgehöret nicht zu unserer Absicht. Genug, die beiden Brü-der wurden jämmerlich ermordet; und der Prinz vernahmdie Nachricht davon mit einer großen Kaltsinnigkeit, so,daß man sich nicht enthalten kann zu glauben, daß er dazuschon vorbereitet gewesen. Sein Bezeigen in Ansehungder vornehmsten Werkzeuge bey dieser Ermordung, kamnicht mit der gründlichen Politik überein, welche er vonsich in seinem reifern Älter, zu jedermanns Bewunderung,erkennen lassen. Es schien, als ob er nicht wüste, daß eseben so Vortheilhaft, als leicht seye, einen toben Feind zubeweinen. Es achtete es nicht allein der Mühe nicht werthzu seyn, seine Sorgen, die Meuchelmörder vor aller

. Strafe