Buch 
Staatsgeschichte von einem Jahrhundert : worinnen sich, nach ihrer Ordnung und verschiedenen Verhältnissen, das Interesse, die Absichten, und das Verhalten der vornehmsten Mächte von Europa seit dem westphälischen Frieden 1643, bis nach dem geschlossenen aachener Frieden im Jahr 1748 angezeiget finden / [Jean Henri Maubert de Gouvest] ; aus dem Französischen mit fleissiger Prüfung übersetzt [v. Johann Gottfried Bernhold]
Entstehung
JPEG-Download
 

5 70 StaaLsgeschichte von einem

Ob man gleich durchgehends wüste / daß der Madequis von Louvois einen langwierigen Krieg haben wollte,so glaubte man doch, Ludwig traue es sich selbst nicht zu,denselben aushalten zu können. Man hielte dafür/ daßdie andern Ministers bey ihm dem Ansehen des Marquisdie Wage halten würden/ und daß das öftere Anhaltendes Königes in Schwede,,/ seine Vermittlung anzuneh-men / ihm von dem französischen Staatsrath an die Handgegeben worden/ welcher bereuett/ einen so Übeln Schrittgethan zu haben / und nichts mehr suchte / als sich ge-schwind wieder herauszuwickeln/ und doch den äußerlichenSchein retten wollte. So hatte es seyn sollen. Aberdie übertriebenen Lobsprüche / welche Ludwig der XIV we-gen seiner Siege bekommen hatte/ machten/ daß er vondiesen vernünftigen Betrachtungen sehr abgeneigt war.Die Vermittlung Schwedens war eine wahrhaftige Co-mödie / dadurch das französische Ministerium die Reichs-fürsten und die Republik aufziehen wollte / wenn sie ange-nommen würde; und wo sie dieselbe verwürfen / so solltedieser Abschlag dem Könige in Schweden einen Vorwandverschaffen / sich für Frankreich zu erklären. Man hattedieses den Staaten angeboten, sobald als die Ueberschwem-mung Hollands Ludwig dem XIV die Schranken seinerSiege bezeichnet hatte/ und zu der Zeit/ da die Republikalles das/ was ihren Untergang abwenden konnte/ alsein Werkzeug ihrer Wohlfart begierigst hätte annehmensollen/ wurde dieses Anerbieten mit Widerwillen ange-nommen.

Als der Commandeur von Gremonville seines Ver-gleichs mit dem wienerischen Hofe verfehlet hatte/so triebsder König von Schweden noch eifriger. Man schmei-chelte sich in Frankreich/daß die Aussicht eines nahen Frie-dens die Reichsfürsten abhalten würde/ sich mit etwas ein-zulassen, deßen Vergeltung derselbe aufheben würde; unddaü derselbe die Staaten verhindern würde/ Truppentheuer zu erkaufe»/ die denselben bald unnützsi'ch seyn wür-