584 Staatsgeschichte von einem
sehen zu lassen, da man ihm sagte, es sey nothwendig.Der Graf von Auersperg und der Fürst von LöbkowiH,welche um des Kaisers Gunst mit einander buhlecen, undseine vornehmsten Ministers waren, machten diesen gan-zen geheimen Rath aus. Lobkowih zog, wie man sagt,gewiss' Jahrgelder von Frankreich. Kaum war er vondem Kaiser weggegangen, welcher so eben den Tod desFurstenbergs befohlen hatte, so gab er schon dem päbstli-chen Nuntius von diesem unregelmäßigen Urtheil Nach-richt. Nichts als sein geistlicher Charakter konnte den Ge-fangenen retten. Der Churfürst, sein Herr, hatte die-ses wohl begriffen, und daher bereits das cöllnische Dom-capitel wider die Gefangennebmung protestiren lassen.Der Nuntius bedachte sich keinen Augenblick, mitten inder Na ht Audienz bey dem Kaiser zu suchen, und machtees so nöthig, daß sie ihm endlich verstattet wurde. Leo-pold erstaunte, daß sein Geheimniß in den Handen dereinzigen Person wäre, welche im Stande wäre, sein Vor-haben zu hintertreiben, und wurde durch die Kirchenstra-fen und den Bann erschreckt, womit ihm der Nuntiusdrohete. Er versprach, den Proceß des fürstlichen Dom-herrn seinen gehörigen Richtern zu überlassen. Sein^Verdruß brach nun über die beiden Ministers los, unterwelchen er doch viele Mühe hatte, den Verräther zu ent-decken. Lobkowiß muste, wie man sagt, die beste Hand-lung, die er jemals gethan hatte, mit seinem Leben be-zahlen ch).
Nach sehr großen Klagen berief Ludwig der XIV sei-ne Gevollmächtigten zurücke, und äusserte, daß er dencöllnischen Congreß für vernichtet hielte. Sein Hoch-muth hatte gleich damals schon die andern Mächte so sehrunwillig gemacht, daß man sich wohl unterstünde, ihm
das
> ) Geheime Nachrichten vorn wiener -Hefe. Le Noblebehauptet, vaß e« so geschehen sey. Ich habe dasgeschriebene Exemplar gehabt, deßen Richtigkeit mir
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