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Staatsgeschichte von einem Jahrhundert : worinnen sich, nach ihrer Ordnung und verschiedenen Verhältnissen, das Interesse, die Absichten, und das Verhalten der vornehmsten Mächte von Europa seit dem westphälischen Frieden 1643, bis nach dem geschlossenen aachener Frieden im Jahr 1748 angezeiget finden / [Jean Henri Maubert de Gouvest] ; aus dem Französischen mit fleissiger Prüfung übersetzt [v. Johann Gottfried Bernhold]
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Jahrhundert / XVN. Capitel. 6z z

ten, regieret; sie hatten darzn weiter nichts nöthig, alsnur vor ihm zu verbergen, daß sie ihn regieren wollten,und daß sie darinnen ihren Zweck erreicht hatten. Eswar eigensinnig, und glaubte, nur standhaft zu seyn, weilihn die Schmeicheley überredete, daß er sich nicht betrü-gen könnte. Wie man ihn nun ohne Nutzen erzürnte,wenn man seine Meinung gerade zu bestritte, so konnteman machen, daß er ganz gelehrig von einem Dinge ge-rad auf das Widerspiel verfiel, wenn man sich stellete, alswenn man ihm blos folge auf dem Wege, auf welchemman doch ihn nach sich zog. Als er an der bekanntenMarquise von Maintenon einen Geschmack fand, war seinHerz durch eine allzulange Leidenschaft, so zu sagen, schonabgenützt; blos aus Gewohnheit hieng es nur noch an derMarquise von Montespan. Die schone Fontange, die,wie man glaubte, ihn gerührt hatte, hatte doch nur seineSinnen überraschet, und er kam nach ihrem Tode aus die-ser Bestürzung wieder zu sich; und da die volle Sätti-gung der Wollüste der Liebe ihm einen Ecke! daran ver-ursachte , so fand er mehr Süßigkeit in dem Vergnügender Freundschaft. Wie er von der Marquise von Main-tenon aus den Annehmlichkeiten und der BehendigkeitHresVerstandes urtheilete, so machte er sie zu seiner Freundinn.

Die aus vielen Banden bestehende Geschichte diesesHalbköniginn von Frankreich lehret uns nicht, welches imGrunde ihr wahrer Charakter gewesen sey. Der Ge-schichtschreiber hat die Züge der Francisca von Aubjgnedarein gemenget; und die heftige Begierde, eine Lobredezu schreiben, hat ihn verleitet, daß er das verstellte Bild,welches man für die Gestalt der Marquise von Maintenongehalten, aus lauter widerwärtigen Dingen zusammenge-setzet hat. Man kann darinnen nicht erkennen, ob dieseletztere von jener den Grundsatz der Frömmigkeit hatte,daraus sie ihre hauptsächlichste Triebfeder machte; oderob der Ehrgeitz und eine verschlageneVerstellung sie zu derje-nigen Tugend gebildet haben, welche allein ihp den Mo«

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