Buch 
Staatsgeschichte von einem Jahrhundert : worinnen sich, nach ihrer Ordnung und verschiedenen Verhältnissen, das Interesse, die Absichten, und das Verhalten der vornehmsten Mächte von Europa seit dem westphälischen Frieden 1643, bis nach dem geschlossenen aachener Frieden im Jahr 1748 angezeiget finden / [Jean Henri Maubert de Gouvest] ; aus dem Französischen mit fleissiger Prüfung übersetzt [v. Johann Gottfried Bernhold]
Entstehung
JPEG-Download
 

Jahrhundert/ XVll. Capitel. 645

nicht die Türken , wenn sie auch so gar die Stadt eroberthaben würden, sich doch noch den Kopf zerstoßen würden,wenn sie an jenen Haufen von souverainen Herren, wel-che ihre Vereinigung unüberwindlich macht, anstoßen wür-den. Sein Vertrauen in diesem Stücke war so groß,daß die Ungläubigen schon vor diesem Orte ihr Lager auf-geschlagen hatten, als er den Benting nach London sandte,um zu versuchen, ob die Unterhandlung wegen der Ver-mahlung der Prinzeßinn Anna mit einem dänemärkischenPrinzen unterbrochen werden könnte, und ihre Hand fürden brandenburgischen Churprinzen zu begehren, welchener zu seinem Erben einzusetzen versprach. Gleichwie eraber unterdessen wohl vorher sahe, daß der Beystand, dendie in der Association begriffenen Fürsten dem Kaiser zuleisten verbunden seyn würden, diejenige Hülfe, welchesie der Republik versprochen hatten, verzögern oder schwa-cher machen würde, so stellte er sich, als wenn er gar nichtabgeneigt wäre, sich in einen Vergleich mit Ludwig demXlV wegen des Aeguivalents, so er an Spanien forderte,einzulassen. Um die Untersuchung desto weitläufiger undlänger zu machen, ließ er das teutsche Reich diesem Ver-gleiche beytretten. Er stellte sich, als wenn er nicht zwei-felte, daß die Zurückgabe von Straßburg ein vorläufigesStück davon seyn würde; und wenn er einige Schwie-rigkeit dabey fände, so wäre es nur diese, daß er vondem Reiche erhielte, seine Genugthuung auf diese Wie-dergabe einzuschränken. Alles sollte in Flandern abgethanseyn vermittelst einer Linie, welche man von Süden ge-gen Westen der Niederlande zöge, und welche die Gränzenbeider Könige für beständig vestfeßen würde. Der Grafvoll Avaur musste diese Eröffnungen seinem Hofe berich-ten , welcher aber die Antwort darauf bis in den MonatOktober hinaus verschob. Aber die Aufhebung der Bela-gerung von Wien hatte gemacht, daß der Statthalter sei-ne natürliche Gestalt wieder annahm. Er spottete der Er-klärungen, der Verbesserungen, der Zusätze, welche derfranzösische Staatsrath bey seinem Entwürfe gemacht

Ss z hatte.