Buch 
Novellen / von Conrad Ferdinand Meyer
Entstehung
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Dann ging ich in meine Herberge und ließ mein Gepäckin das Haus des Schneiders Gilbert bringen.

Ein kränklicher Mann mit einem furchtsamen Ge-sichtchen geleitete mich unter vielen Höflichkeiten in dasmir bestimmte Zimmer. Es war groß und luftig undüberschaute, das oberste Stockwerk des Hauses bildend,den ganzen Stadttheil, ein Meer von Dächern, auswelchem Thurmspitzen in den Wolkenhimmel aufragten.

„Hier seid Ihr sicher!" sagte Gilbert mit feinerStimme und zwang mir damit ein Lächeln ab.

„Mich freut es," erwiederte ich, „bei einem Glaubens-bruder Herberge zu nehmen." —

„Glaubensbruder?" lispelte der Schneider, „sprechtnicht so laut, Herr Hauptmann. Es ist wahr, ich binein evangelischer Christ, und — wenn es nicht anderssein kann — will ich auch für meinen Heiland sterben;aber verbrannt werden, wie es mit Dubourg auf demGreveplatze geschah! — ich sah damals als kleiner Knabezu — hu, davor hab' ich einen Schauder!" —

„Habt keine Angst," beruhigteich, „diese Zeiten sindvorüber, und das Friedensedikt gewährleistet uns Allenfreie Religionsübung."

„Gott gebe, daß es dabei bleibe!" seufzte der