Buch 
Novellen / von Conrad Ferdinand Meyer
Entstehung
JPEG-Download
 

101

„Laß mich!" schrie ich. „Mein Weib! mein armesWeib!" —

Boccard sah mich erstaunt und fragend an. „DeinWeib? Bist du verheiratet?" —

„Gieb Raum, Unseliger!" rief ich und warf michauf ihn, der mir den Ausweg vertrat. Wir rangenmiteinander und ich hätte ihn übermannt, wenn nichteiner seiner Schweizer ihm zu Hilfe gekommen wäre,indeß der andere die Thüre bewachte.

Ich wurde auf das Knie gedrückt.

„Boccard!" stöhnte ich. „Im Namen des barm-herzigen Gottes — bei Allem, was dir theuer ist —bei dem Haupte deines Vaters — bei der Seligkeitdeiner Mutter — erbarm dich meiner und laß michfrei! Ich sage dir, Mensch, daß mein Weib da draußenist — daß sie vielleicht in diesem Augenblicke gemordet— daß sie vielleicht in diesem Augenblicke mißhandeltwird! Oh, oh!" — und ich schlug mit geballter Faustgegen die Stirn.

Boccard erwiederte begütigend, wie man mit einemKranken spricht: „Du bist von Sinnen, armer Freund!Du könntest nicht fünf Schritte ins Freie thun, bevordich eine Kugel niederstreckte! Jedermann kennt dich