Buch 
Novellen / von Conrad Ferdinand Meyer
Entstehung
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Oberlicht erhellt, in kräftiger Rundung aus dem heiligenDümmer hob und etwas in seiner Weise Schönes zu seinschien. Ich trat nahe und wurde nicht enttäuscht. DasSteinwerk enthielt zwei, durch ein Kreuz verbundene Ge-stalten und dieses Kreuz glich an Größe und Verhältnissenvollständig dem auf der Klosterwiese zur Schau stehenden,welches von beiden dem andern nachgeahmt sein mochte.Ein gewaltiges, dorngekröntes Weib trug es fast wag-recht mit kraftvollen Armen auf mächtiger Schulter undstürzte doch unter ihm zusammen, wie die derb im Ge-wände sich abzeichnenden Kniee zeigten. Neben und vordieser hinfälligen Gigantin schob eine kleinere Gestalt,ein Krönlein auf dem lieblichen Haupte, ihre schmalereSchulter erbarmungsvoll unter die untragbare Last. Deralte Meister hatte — absichtlich, oder wohl eher ausMangel an künstlerischen Mitteln — Körper und Ge-wandung roh behandelt, sein Können und die Inbrunstseiner Seele auf die Köpfe verwendend, welche dieVerzweiflung und das Erbarmen ausdrückten.

Davon ergriffen, trat ich, das gute Licht suchend,einen Schritt zurück. Siehe, da kniete mir gegenüberan der andern Seite des Werkes ein Mädchen, wohleine Eingeborene, eine Bäuerin der Umgebung, fast eben