264
dem Kreuze hervorgezogen und aufgerichtet. Sie hatteim Falle das Bewußtsein verloren, aber bald kehrtedem kräftigen Mädchen die Besinnung wieder. Sie strichsich mit der Hand über die Stirn. Ihr Blick fiel aufdas Kreuz, welches sie erdrückt hatte. Ueber ihr Antlitzverbreitete sich ein Lächeln des Dankes für die ausge-bliebene Hilfe der Göttin. Dann sprach sie mit eine:himmlischen Heiterkeit die schalkhaften Worte: „Du willstmich nicht, reine Magd: so will mich ein Anderer!"
Noch die Dornenkrone tragend, deren blutige Spitzensie nicht zu fühlen schien, setzte sie jetzt den Fuß auf dieerste der aus dem Chor in das Schiff niederführendenStufen. Zugleich wanderten ihre Augen suchend imVolke und fanden, wen sie suchten. Es ward eine großeStille. „Hans von Splügen," begann Gertrude lautund vernehmlich, „nimmst du mich zu deinem Ehe-weibe?" „Ja freilich! Mit tausend Freuden! Steignur herunter!" antwortete fröhlich aus der Tiefe desSchiffes eine überzeugende Männerstimme.
So that sie und schritt gelassen, aber vor Freudeleuchtend, von Stufe zu Stufe hinab, wieder die einfacheBäuerin, welche wohl das ergreifende Schauspiel, dassie in ihrer Verzweiflung der Menge gegeben, bald und