Buch 
Novellen / von Conrad Ferdinand Meyer
Entstehung
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II.

„Höre, PageLeubelfing! Ich habe ein Hühnchen mitdir zu pflücken. Wenn du mit deinen flinken Fingernin den dringendsten Fällen dem Könige meinem Herrn eineaufgehende Naht seines Rockes zunähen oder einen fehlen-den Knopf ersetzen würdest, vergäbest du deiner Pagen-würde nicht das Geringste. Hast du denn in NürembergMütterchen oder Schwesterchen nie über die Schulter aufdas Nähkissen geschaut? Ist es doch eine leichte Kunst,welche dich jeder schwedische Soldat lehren kann. Durümpfst die Stirne, Unfreundlicher? Sei artig und folg-sam! Sieh' da mein eigenes Besteck! Ich schenk' es dir."

Und die Brandenburgerin, die Königin von Schwedenreichte dem Pagen Leubelfing ein Besteck von englischerArbeit mit Zwirn, Fingerhut, Nadel und Scheere. DemKönige aus eifersüchtiger Zärtlichkeit überallhin nach-reisend, hatte sie ihn mitten in seinem unseligen Lagerbei Nüremberg, wo er einen in dasselbe eingeschlossenen,