Buch 
Novellen / von Conrad Ferdinand Meyer
Entstehung
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„DerMorgen ist kühl," sagte der Graf, „ist es Euchgenehm, so fechten wir im Wams." —

„Der Herr ist nicht gepanzert?" warf Lignerolleshin, indem er eine tastende Bewegung nach meinerBrust machte.

Guiche bedeutete ihn mit einem Blicke, es zu lassen.

Zwei lange Stoßklingen wurden uns geboten. DerKampf begann und ich merkte bald, daß ich einem anBehendigkeit mir überlegenen und dabei völlig kaltblü-tigen Gegner gegenüber stehe. Nachdem er meine Kraftmit einigen spielenden Stößen wie auf dem Fechtbodengeprüft hatte, wich seine nachlässige Haltung. Es wurdetödtlicher Ernst. Er zeigte Quart und stieß Sekunde inbeschleunigtem Tempo. Meine Parade kam genau nochrechtzeitig: wiederholte er dieselben Stöße um eine Klei-nigkeit rascher, so war ich verloren. Ich sah ihn befriedigtlächeln und machte mich auf mein Ende gefaßt.

Blitzschnell kam der Stoß, aber die geschmeidigeStahlklinge bog sich hoch auf, als träfe sie einen hartenGegenstand, ich parirte, führte den Nachstoß und rauntedem Grafen, der, seiner Sache sicher, weit ausgefallen war,meinen Degen durch die Brust. Er verlor die Farbe,wurde aschfahl, ließ die Waffe sinken und brach zusammen.