Buch 
Novellen / von Conrad Ferdinand Meyer
Entstehung
JPEG-Download
 

108

nahe Ecke in das Seitengäßchen, wo meine Wohnung ge-legen war, erreichte sie unbemerkt und eilte durch dasausgestorbene Haus mit Gasparde hinauf in meineKammer.

Auf dem Flur des ersten Stockwerkes schritt ichdurch breite Blutlachen. Der Schneider lag ermordet,fein Weib und seine vier Kinder, am Herd in einHäuflein zusammengesunken, schliefen den Todesschlummer.Selbst der kleine Pudel, des Hauses Liebling, lag ver-endet bei ihnen. Blutgeruch erfüllte das Haus. Dieletzte Treppe ersteigend, sah ich mein Zimmer offen,die halbzerschmetterte Thüre schlug der Wind auf und zu.

Hier hatten die Mörder, da sie mein Lager leer fanden,nicht lange geweilt, das ärmliche Aussehen meinerKammer versprach ihnen keine Beute. Meine wenigenBücher lagen zerrissen auf dem Boden zerstreut, in einesderselben hatte ich, als mich Boccard überraschte, denBrief meines Ohms geborgen, er war herausgefallenund ich steckte ihn zu mir. Meine kleine Baarschafttrug ich noch von der Reise her in einem Gurt aufdem Leibe.

Ich hatte Gasparde auf mein Lager gebettet, wodie Bleiche zu schlummern schien, und stand neben ihr,