Buch 
Novellen / von Conrad Ferdinand Meyer
Entstehung
JPEG-Download
 

176

ein Skelet, das die Knochenhände auf eine Muskete ge-stützt hielt und an dem über die Rippen gekreuzten undblank gehaltenen Lederzeuge Patrontasche und Seiten-gewehr der zürcherischen Landmiliz trug. Ein kleinesdreieckiges Hütchen war auf den hohlen Schädel gestülpt.

Der Candidat fürchtete das Bild des Todes nicht,er war mit demselben von Amtswegen vertraut, ja erhatte eine gewisse Vorliebe für die warnende und erbau-liche Erscheinung des Knochenmannes. Aber wer warder Mensch, der da drinnen unter der Hut dieser ge-spenstischen Wache schlief? Und welche seltsame Lust fander daran, mit den ernstesten Dingen sein frevles Gespöttezu treiben?

Jetzt öffnete der Mohr das zweitäußerste Zimmerder Seeseite und stellte die beiden Leuchter auf den Kamin.Pfannenstiel, dessen Wangen glühten und fieberten, trataus Fenster um es aufzureißen; Hassan aber hielt ihnzurück. „Seeluft ungesund," warnte er und machte dieFlügelthüre eines Nebenzimmers auf, um dem Erhitztenin unschädlicher Art mehr Luft zu verschaffen. Dannentfernte er sich mit einem demüthigen Gruße.

Der Candidat schritt eine gute Weile in der Kammerauf und nieder, um seine erregte Phantasie zur Ruhe zu