Buch 
Novellen / von Conrad Ferdinand Meyer
Entstehung
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Niederländer oder Spanier der damals kaum geschlossenenglänzenden Epoche in jener naturwarmen, bestrickendenWeise gemalt, die den Neuern verloren gegangen ist.Ueber eine Balustrade von maurischer Arbeit lehnte einejunge Orientalin mit den berauschenden dunkeln Augenund glühenden Lippen, bei deren Anblicke die Prinzen inTausend und Einer Nacht unfehlbar in Ohnmacht fallen.

Sie legte den Finger an den Mund, als bedeutesie den vor ihr Stehenden: Komm, aber schweige!

Pfannenstiel, der nie etwas auch nur annäherndAehnliches erblickt hatte, wurde tief und unheimlich er-schüttert von der Verlockung dieser Geberde, der Sprachedieser Augen. Es tauchte etwas ihm bis heute völligunbekannt Gebliebenes in seiner Seele auf, etwas, demer keinen Namen geben durfte — eine brennende Sehn-sucht, die glückselige Möglichkeit ihrer Erfüllung! Vordiesem Bilde begann er an so übergewaltige Empfin-dungen zu glauben und vor ihrer Macht zu erbeben. ..

Plötzlich wandte sich der Candidat, lief in seinSchlafgemach zurück und begnügte sich nicht, die Thürezu verschließen, er schob noch den Riegel und drehtezuletzt den Schlüssel um. Nun glaubte er sein Lagergesichert und begrub sich in die Kissen desselben.