Buch 
Novellen / von Conrad Ferdinand Meyer
Entstehung
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219

Nach einem kurzen Besinnen antwortete der Greis:„Jene Possen oder ähnliche, die dir schmecken, meinCosmus, kleiden, wie üppige Kränze, nur braune Lockenund mißziemen einem zahnlosen Munde." Er lächelteund zeigte noch eine hübsche Reihe weißer Zähne.„Und" — seufzte er — „nur ungern kehre ich zu jenenJugendlichkeiten, wie harmlos im Grunde sie sein mögen,zurück, jetzt da ich die Unbefangenheit meiner Stand-punkte und die Läßlichkeit meiner Lebensauffassung beimeinem Sohne — ich weiß nicht kraft welches unheim-lichen Gesetzes der Steigerung — zu unerträglicherFrechheit, ja zur Ruchlosigkeit entarten sehe."

„Poggio, du Predigst!" warf ein Jüngling ein.„Du, welcher der Welt die Komödien des Plautuswiedergegeben hast!"

„Dank für deine Warnung, Romolo!" rief der un-glückliche Vater, sich aufraffend, da er selbst als ein guterGesellschafter es für unschicklich hielt, mit seinem häuslichenKummer auf den Gästen zu lasten. „Dank für deine Er-innerung! Der „Fund des Plautus" ist die Facette, mitwelcher ich heute Euch, Ihr Nachsichtigen, bewirthen will."

„Nenne sie lieber den „Raub des Plautus"," warfein Spötter ein.