Buch 
Novellen / von Conrad Ferdinand Meyer
Entstehung
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gelegt, überlieferten. Vor dem Thore des Schlößchensstand ja eine Wache.

Neugierig schickte der Page einen Blick über seineBuchstaben hinweg nach der Gefangenen, die er sich setzenhieß, und erstaunte über ihre Schönheit. Nur vonmittlerer Größe, trug sie über vollen Schultern aufeinem feinen Halse ein wohlgebildetes kleines Haupt.Wenig fehlte, stillere Augen, freiere Stirn, ruhigereNaslöcher und Mundwinkel, so war es das süße Haupteiner Muse, wie unmusenhaft die Corinna sein mochte.Pechschwarze Flechten und dunkeldrohende Augen bleichtendas fesselnde Gesicht. Die in Unordnung gerathene bunt-farbige Kleidung, von keinem südlich leuchtenden Himmelgedämpft, erschien unter einem nordischen grell und auf-dringlich. Der Busen klopfte sichtbar.

Das Schweigen wurde dem Mädchen unerträglich.„Wo ist der König, Junker?" fragte sie mit einer hohen,vor Erregung schreienden Stimme. „Ist verritten. Wirdgleich zurück sein!" antwortete Leubelfing in seiner tief-sten Note.

„Der König bilde sich nur nicht ein, daß ich vondem Herzog lasse," fuhr das leidenschaftliche Mädchenmit unbändiger Heftigkeit fort. „Ich liebe ihn zum