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Novellen / von Conrad Ferdinand Meyer
Entstehung
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Unheil zutrug. Die beiden Boote erreichten sich. Zwi-schen ihnen schwamm im Flusse etwas wie eine Fülleblonden Haares, in das der Mönch entschlossen Hinein-griff, knielings, mit weit ausgestrecktem Arme, währendsein Schiffer aus allen Kräften sich auf die andereSeite des Nachens zurückstemmte. An einer dickenSträhne hob der Mönch ein Haupt, das die Augengeschlossen hielt, und dann, mit Hilfe des dicht heran-gekommenen Ezzelin, die Last eines von triefendemGewände beschwerten Weibes aus der Strömung. DerTyrann war von seinem Nachen in den andern ge-sprungen und betrachtete jetzt das entseelte Haupt, daseinen Ausdruck von Trotz und Unglück trug, mit einerArt von Wohlgefallen, sei es an den großen Zügendesselben, sei es an der Ruhe des Todes.

„Kennst du sie, Astorre?" fragte er den Mönch.Dieser schüttelte verneinend den Kopf und der Anderefuhr fort: „Siehe, es ist das Weib deines Bruders."

Der Mönch warf einen mitleidigen scheuen Blickauf das bleiche Antlitz, welches unter demselben lang-sam die schlummernden Augen öffnete.

„Bringe sie ans Ufer!" befahl Ezzelin, allein derMönch überließ sie seinem Fährmann. „Ich will mei-